{"id":31880,"date":"2025-01-13T07:00:09","date_gmt":"2025-01-13T06:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/mandat.de\/de\/?p=31880"},"modified":"2025-01-07T13:27:06","modified_gmt":"2025-01-07T12:27:06","slug":"mandat-wachstums-wochenstart-nr-664-systeme-und-das-urteilsvermoegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mandat.de\/de\/mandat-wachstums-wochenstart-nr-664-systeme-und-das-urteilsvermoegen\/","title":{"rendered":"Mandat Wachstums Wochenstart Nr. 664: Systeme und das Urteilsverm\u00f6gen"},"content":{"rendered":"<p>Als meine Frau und ich uns Anfang der 1990er Jahre kennenlernten, lebte sie in Berlin und ich in Dortmund. Ich erinnere mich noch sehr gut an unser erstes Treffen in Berlin 1991. Es gab keine Navigationssysteme, die Verkehrsinfrastruktur nach Berlin war noch auf DDR-Niveau. Karten, Stadtpl\u00e4ne, das waren die Hilfsmittel. Nat\u00fcrlich verfuhr ich mich. Statt im S\u00fcdwesten von Berlin landete ich im S\u00fcdosten. Irgendwie habe ich mich dann durchgeboxt.<\/p>\n<p>Als ich danach \u00f6fter in Berlin war, \u00fcberraschten mich die enorm vielen Lehrgangsanbieter f\u00fcr den Taxischein. In Berlin war es offenbar eine lohnende Studentenbesch\u00e4ftigung, Taxi zu fahren und man musste umfassende Kenntnisse der Stra\u00dfen und Adressen nachweisen \u2013 siehe oben: Es gab keine Navis. Viele Taxifahrer beeindruckten mich durch enorme Ortskenntnis, nicht nur in Berlin.<\/p>\n<p>Heute ist alles einfacher. Die Adresse wird ins Navi eingegeben, los geht\u2019s. So auch vor einigen Tagen in M\u00fcnchen. \u201eHansastra\u00dfe 10\u201c sagte ich dem Taxifahrer, ich wollte zu einem Boardmeeting bei Flowers-Software, unserem Startup. Auf der Hansastra\u00dfe sah ich, dass die Hausnummern hochz\u00e4hlten: 120, 122, 124, \u2026 Ich wies den Taxifahrer darauf hin. Er: \u201eJa, ja\u201c und fuhr weiter. Circa bei Hausnummer 139 fuhr er auf den Hof eines Wohngebiets: \u201eWir sind da.\u201c<\/p>\n<p>Ich: \u201eNein, schauen Sie, am Haus steht 139.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Navi sagt, wir sind da.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDies ist nicht Nummer 10.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Navi sagt, hier ist Nummer 10. Was soll ich machen? Ich bin nicht das Navi.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd ich kein Taxifahrer. Fahren Sie zu Nummer 10.\u201c<\/p>\n<p>Der Taxifahrer wurde richtig w\u00fctend, was mir missfiel, aber ich konnte es nicht \u00e4ndern. Er raste zur\u00fcck in die Richtung, aus der wir gekommen waren, mit hoher Geschwindigkeit, er sprach laut mit mir, dass das nicht seine Schuld sei, fragte was er machen solle, ich entgegnete, dass mir egal sei, wer Schuld und wer Recht habe, ich wolle nur in die Hansastra\u00dfe 10. Irgendwann standen wir an der Hansastra\u00dfe Nummer 10. Ich: \u201eGeht doch.\u201c Gut, das trug nicht zur Verbesserung der Stimmung bei, aber wir waren da. Das \u201eWarum nicht gleich so?\u201c habe ich mir gespart.<\/p>\n<p>Fakt: Tats\u00e4chlich ist es so, dass google maps Hansastra\u00dfe 10 falsch verortet. Andreas, der Flowers-CEO, sagt, es sei eine Garage mit der Nummer 10 damit verbunden und google wolle das nicht \u00e4ndern. Probieren Sie es aus.<\/p>\n<p>Was lernen wir?<\/p>\n<ol>\n<li>Wir d\u00fcrfen uns nicht auf Systeme allein verlassen. Auch heute noch machen Systeme Fehler.<\/li>\n<li>Das Urteilsverm\u00f6gen ist heute vielleicht wichtiger denn je: \u201cTrust your judgment\u201c wird immer, immer wichtiger. Wenn ich eine Stra\u00dfe entlangfahre und die Hausnummern z\u00e4hlen von 120 aufw\u00e4rts, dann werden wir der richtigen \u201e10\u201c auf diese Weise nicht begegnen. Nie!<\/li>\n<li>Die Frage nach Schuld und Recht mag vor Gericht wichtig sein, im Taxi ist sie es nicht, sondern sie ist m\u00fc\u00dfig. Im Beruf ist sie auch nicht relevant. Privat auch nicht.<\/li>\n<li>Unser Umgang mit der Situation entscheidet \u00fcber unser Gem\u00fct. Ich hatte gute Laune, weil ich mich auf das Meeting freute, der Taxifahrer schimpfte immer noch, als er abfuhr.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Board-Meeting war super und ich hatte Stoff f\u00fcr diesen Wochenstart. Geht doch.<\/p>\n<p>Auf eine gute Woche!<\/p>\n<p>Ihr und Euer<\/p>\n<p>Guido Quelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als meine Frau und ich uns Anfang der 1990er Jahre kennenlernten, lebte sie in Berlin und ich in Dortmund. Ich erinnere mich noch sehr gut an unser erstes Treffen in Berlin 1991. Es gab keine Navigationssysteme, die Verkehrsinfrastruktur nach Berlin war noch auf DDR-Niveau. Karten, Stadtpl\u00e4ne, das waren die Hilfsmittel. Nat\u00fcrlich verfuhr ich mich. 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