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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 405: „Beleg dazu?“

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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 405: „Beleg dazu?“

Neulich, im Flugzeug, auf dem Weg nach München, früh, sehr früh, am Morgen: „Was möchten Sie essen oder trinken?“ – „Ich hätte gerne die Laugenstange, einen Kaffee mit Milch und ein stilles Wasser.“ – „Gern.“ Es kam das Bestellte. Die Flugbegleiterin tippte danach in ihr mobiles Endgerät die Einzelheiten ein.

Dann kam sie, die unvermeidliche Frage:

„Beleg dazu?“

Ich, genervt: „Nee, danke“. Dann, nach kurzem Stutzen: „Wozu eigentlich? Ich muss doch gar nichts bezahlen.“ – „Das ist davon unabhängig. Der Bon weist Null Euro aus, aber ich muss Sie das fragen und ich muss den Bon auch drucken, ich kann das nicht vermeiden.“ Sprach’s, druckte den Bon, schaute mich an, ich schüttelte den Kopf, sie zuckte mit den Schultern, warf den Bon weg und schob den Trolley weiter.

Die Frage „Beleg dazu?“, seit Anfang des Jahres millionenfach gestellt, hat das Potenzial, zum Unwort des Jahres zu werden. Die Bonpflicht ist eine Farce. Sie ist der Sieg der Mittel über den Zweck. Sie ist das perfekte Beispiel, dass etwas nicht vom Ziel rückwärts, sondern von einer vermeintlich nicht zufriedenstellenden Situation vorwärts gedacht wurde. Hätte man rückwärts gedacht, wäre man auf die Frage gekommen, was man benötigt, um eine (noch) höhere Sicherheit zu erlangen, dass bei Kassenvorgängen keine Manipulation, sprich Steuerhinterziehung, erfolgt (was übrigens in Flugzeugen natürlich an der Tagesordnung ist – Ironie Ende). Die Antwort wäre nicht gewesen: „Einen Bon“ und der Vortrag, dass das in anderen Ländern üblich sei, ist ein sehr, sehr lahmer Vortrag.

Man wäre darauf gekommen, Belege elektronisch zu speichern, von mir aus vorher vom Kunden freizugeben, was auch immer, aber die Antwort „einen Bon drucken“ ist eine totale Fehlleistung. Im Übrigen gibt es bereits elektronische Lösungen, es ist also nicht einmal Raketenwissenschaft. Man könnte darüber sprechen, die Kassen noch manipulationssicherer zu machen, als sie schon sind. Bereits heute muss man schon erhebliche kriminelle Energie entwickeln, um die Kasse zu manipulieren.

Eine ganze Branche – der gesamte Einzelhandel – wird unter Generalverdacht gestellt. Nicht schlecht.

Das ist nicht Wachstum, wie wir es verstehen, den Vorschlag „einen Bon drucken“ hätten Sie von uns nicht gehört, wir hätten uns mit Ihnen etwas Schlaueres einfallen lassen und das dann auch zu Ende durchgeführt. Nein, das ist keine Schlaubergerei, das tun wir in vergleichbaren Fällen jeden Tag mit unseren Klienten.

Für diejenigen von Ihnen, die nicht mit uns arbeiten, ist eine erste Arbeitshilfe die folgende: Wenn es an die Lösung eines Problems geht, stellen Sie immer – immer! – erst die Frage nach dem Ziel. Das tun Sie schon? Wunderbar. Dann sollten Ihre Mitarbeiter diese Methode auch kennen. Die Lösungen werden stets besser, im Sinne gesunden profitablen Wachstums.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer
Guido Quelle

 

Die Frage der Woche: „Wie stehen SIe zur Bonpflicht?“ Um an der Umfrage teilzunehmen klicken Sie einfach auf: Wachstumsfrage der Woche

In der letzten Woche haben wir gefragt „Haben Sie ein wirksames Verfahren eingerichtet, um sicherzustellen, dass all Ihre wichtigen Themen stets auf der Spur sind?“ Ihre Antwort: „Ja“ sagten 75% und „Nein“ meinen 25%.

 

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© 2019, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.
© Jogger: 456750597_anyaberkut istock.com

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 390: Die naheliegende Lösung

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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 390: Die naheliegende Lösung

Bereits an jenem Morgen bemerkte ich, dass das Wasser bei uns im Bad weniger warm war als sonst. Da wir aber zahlreiche Termine hatten, verschob ich den Gedanken auf später. Einige Stunden danach merkte ich, dass gar kein warmes Wasser mehr floss, das Wasser blieb schlicht kalt. Aus ganz unterschiedlichen Gründen hatte ich keine Möglichkeit, der Sache sofort nachzugehen, erst am späteren Abend ging ich in den Heizungskeller, sicher hatten wir ein Programm falsch aktiviert.

Zu meiner Überraschung war dem nicht so. Heizung und Warmwasseraufbereitung waren korrekt eingestellt, das Aggregat war eingeschaltet, aber alle Zeiger standen auf Nullstellung: 20 Grad. Keine Heizung, kein warmes Wasser. Temperatur am Warmwasserbehälter: Ebenfalls 20 Grad. Die Fehlersuche nahm ihren Lauf: Der Blick in die Bedienungsanleitung war nur wenig hilfreich, es zeigte sich nur eine dürftige Störabhilfeanleitung. Ich montierte die Frontabdeckung des Heizgerätes ab, um festzustellen, dass nichts festzustellen war. Den Ein-Aus-Schalter hatte ich schon mehrfach betätigt, es tat sich nichts. Den Gang zur Haus-Elektrozentrale mit Sicherungsanlage hätte ich mir auch sparen können: Sicherung aus, ein, nichts veränderte sich. Einmal zur Sicherheit den FI-Schalter betätigen, das ganze Haus für ein paar Sekunden ohne Strom, nach dem Wiedereinschalten tat sich an der Heizung – nichts.

Ich dachte genauer nach: Der Heizungsinstallateur war neulich da. Hatte er etwas verändert? Was bedeutet eigentlich „kein Strom“, wenn es nicht die Sicherung ist? Ich montierte den Deckel des Heizgerätes ab, stieß auf zwei Stromkabel und holte ein Messgerät. Auf beiden 230-Volt-Leitungen war kein Strom. Ein Kabelbruch? An zwei Leitungen, die beide maßgeblich unter Putz verlaufen, spontaner Kabeldoppelbruch? Geradezu ausgeschlossen, nie im Leben. Aber wo, verflixt, könnte der Fehler sein?

Es war 22 Uhr geworden und resigniert teilte ich meiner Frau mit, dass wir am Folgetag wohl den Installateur – welchen auch immer – anrufen würden. Dumm nur: Der Folgetag war ein Feiertag, was unsere Laune nicht übermäßig hob. Als ich meiner Frau beim späten Abendessen erläuterte, welche Dinge ich überprüft hatte und ich dabei gedanklich noch einmal die beiden Stromleitungen verfolgte, wurde mir plötzlich klar, wo ich zu suchen hatte. Ich verließ den Abendtisch, ging in den Keller, holte eine Leiter, blickte hinter ein Weinregal im Nebenraum des Heizungsraumes, zog mit spitzen Fingern einen Weihnachtsteller hervor, der aus luftiger Höhe abgestürzt war und sich zwischen Regal und …

… den Notschalter der Heizung geschoben hatte.

Klick.

Das anschließende Wummern der Heizung war meine Tagesbelohnung.

Nun lag alles glasklar vor mir: Der Teller war heruntergefallen, weil am Tage zuvor ein Brett umgefallen war und den Heizungskeller versperrt hatte; meine Frau musste etwas kräftiger an der Tür rütteln, um aus dem Heizungsraum zu kommen, dabei wurde das Weinregal offenbar bewegt, Teile der oben auf dem Regal liegenden Weihnachtsdeko gerieten ins Wanken, der Weihnachtsteller schob sich hinter das Regal und „bediente“ den Not-Aus der Heizung. Zwar hatte ich den Schalter gegen unbeabsichtigtes horizontales Fehlbedienen seinerzeit gesichert, an vertikale Einflüsse hatte ich aber nicht gedacht.

Das Problem war gelöst, wir waren happy und dieser Wochenstart entstand noch in der Nacht desselben Tages. Wieder einmal war es die naheliegendste Lösung, die zutraf. Nicht wir, die wir eine falsche Einstellung vorgenommen hatten, nicht der Installateur, der etwas falsch gemacht hat und schon gar nicht der doppelte Kabelbruch: Der Not-Aus-Schalter war’s. Ich glaube, ich kann von mir behaupten, dass ich in Beratungsprojekten und bei Mandat immer unverzüglich auf die naheliegendste Lösung zu kommen versuche, aber vor Ablenkung davon bin auch ich nicht gefeit.

Vielleicht hatten Sie Freude an dieser Geschichte und schauen einmal, bevor Sie das nächste Mal eine Überkomplizierung in Ihrem Unternehmen vollziehen, was die naheliegendste Lösung wäre. Man nennt sie übrigens auch „Occam’s Razor“ und wir haben die Suche danach in unsere Beratungsarbeit fest integriert.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer
Guido Quelle

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© 2019, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.
© Jogger: 456750597_anyaberkut istock.com

Mandat Wachstums-Wochenstart #96: „Das ist aber schlimm!“

Der erste Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen wird durch das Wörtchen „so“ deutlich (siehe Mandat Wachstums-Wochenstart #95), der zweite wesentliche Unterschied besteht in der Reaktion von Menschen auf eingetretene Ereignisse.

Eine Situation ist, wie sie ist. Der Umgang mit der Situation bestimmt darüber, wie erfolgreich ein Mensch ist. Ich meine damit natürlich nicht ausschließlich wirtschaftlichen Erfolg, sondern ganzheitlichen.

Eine Lieferung fällt aus. „Das ist aber schlimm!“ – Der Eine regt sich furchtbar auf, macht den Lieferanten „rund“, sucht Schuldige im Unternehmen und beklagt den Umsatzausfall. Der Andere versucht, eine Lösung zu finden, spricht mit Kunden, sucht interne Rettungsmöglichkeiten und versucht – wenn das alles erledigt ist – diesen Fehler für die Zukunft abzustellen.

Ein großer Kunde geht verloren. „Das ist aber schlimm!“ – Der Eine nutzt dies als Rechtfertigung dafür, dass die Jahresziele in den Wind geschrieben werden können, der Andere versucht, mit dem Kunden zu sprechen,  neue Kunden aufzubauen, weil nun Kapazitäten vorhanden sind, spricht mit der Bank darüber, dass die Linien möglicherweise ein wenig erhöht werden müssen und nutzt die Chance, sich am Markt noch besser zu positionieren.

Probleme lösen statt über Situationen zu lamentieren. So kann man die Unterschiede in der Haltung zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen wohl am besten beschreiben.

(c) 2014, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.

Der Wachstums-Wochenstart #21: Erst beobachten, dann werten

Ihr Fokus in dieser Woche: Beobachten Sie erst und werten Sie erst dann.

Die meisten von Ihnen kennen Inspektor Columbo, gespielt durch den inzwischen leider verstorbenen Peter Falk. Man mag ihn mögen oder nicht, den kauzigen Polizisten im Regenmantel, darum geht es nicht. Es geht um die Methode:

Columbo beobachtet erst und wertet dann. Dies ist eine Reihenfolge, die im Business viel zu kurz kommt.

Gehen Sie in dieser Woche einmal mit offenen Augen durch Ihren Betrieb, durch Ihr Unternehmen und beobachten Sie. Immer, wenn Sie sich dabei erwischen, dass Sie etwas werten, wie

  • „Das geht viel zu langsam“
  • „Der sieht aber müde aus“
  • „Da müsste ich helfen“
  • … (Ergänzen Sie Ihre Beispiele)

gehen Sie einen Schritt zurück und versuchen Sie, auf der Beobachtungsebene zu bleiben. Beschreibend, objektiv. Springen Sie nicht zu schnell auf die Wertungsebene und schon gar nicht auf die Lösungsebene. Beobachten Sie erst und werten Sie erst dann.

Probieren Sie es einmal aus – Sie werden zu bemerkenswert besseren Lösungen gelangen.

Ihr Guido Quelle

(c) 2012, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH
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