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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 373: Der Irrtum von Verena Bahlsen

Die aus unterschiedlichen Gründen viel zitierte Rede von Verena Bahlsen vor einigen Wochen weist aus Wachstumssicht einen ganz wesentlichen Irrtum auf, den ich auch in vielen meiner Vorträge herausarbeite. Es handelt sich um einen grundsätzlichen Irrtum, der – wenn man die Augen öffnet – landein, landaus zu beobachten und der für Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen gefährlich ist.

Frau Bahlsen fragt sich und die Zuhörer in ihrer Rede, was Wachstum solle, wohin man denn immer wachsen wolle, warum Wirtschaft immer auf Wachstum zielen solle, warum Strategien immer auf Wachstum ausgerichtet sein müssten. Sie stellt in ihrer Rede den Sinn von Wachstum in Frage, um dann, gleich darauf, zu artikulieren, dass Wirtschaft für sie bedeute, „uns als Gesellschaft voranzubringen“. Das wiederum stimmt.

Und genau hier haben wir das Dilemma und den Irrtum: Wachstum wird – selbst in der Wirtschaft, selbst in Unternehmenslenkungen – zu oft singulär gleichgesetzt mit quantitativem Ergebniswachstum. Es wird gleichgesetzt mit einem „Mehr des ewig Gleichen“. Schnell und plakativ kommt man dann zu der Erkenntnis, dass es das doch wohl nicht sein könne, dass man sich die Sinnfrage stellen müsse, dass man doch damit irgendwann ans Ende von Wachstum kommen müsse. Ist Wachstum vielleicht doch „böse“?

Nein, das ist es nicht. Erstens: Wachstum ist unabdingbar. Wer nicht wächst, stirbt oder wird mindestens von dem überholt, der wachsen will. Man sage mal einem Startup, es solle aufhören, zu wachsen, das ist schlicht surreal. Zweitens: Wachstum ist nicht reduziert auf die letzte Zeile der Gewinn-und-Verlustrechnung. Die wirtschaftlichen Resultate sind das Ergebnis des vorangegangenen (idealerweise sinnvollen) Handelns. Es geht also um sinnvolles Wirtschaften, inhaltlich und finanziell. Drittens: Wachstum entsteht durch Innovation und diese dient dazu, die Menschen voranzubringen, die „Gesellschaft voranzubringen“, wie Verena Bahlsen es formuliert.

Wachstum ist etwas Positives, etwas Gutes. Wenn aber selbst Menschen in einer hochgradig verantwortlichen Wirtschaftsposition es in Frage stellen, bekommen wir ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem, weil wir zu der Ansicht gelangen könnten, wir könnten uns ausruhen, wir könnten einfach so in den Tag hinein trudeln, es würde sich schon irgendwie richten. Das wird es nicht.

Wir leben derzeit (noch) in einem zuvor ungeahnten Luxus, der den klaren Blick für das, was an der Reihe ist, zu verstellen geeignet ist. Wofür den Blick aber schärfen müssen ist: Wir wachsen und wir brauchen ein ganzheitlicheres Verständnis von Wachstum, ein Verständnis, das sich über Inhalte definiert, nicht singulär über Ergebniswachstum; ein Wachstum, das sich auch damit beschäftigt, wie es von Ressourceninanspruchnahme entkoppelt sein kann. Was überhaupt nicht hilfreich ist, ist dieses plakative und bei Sozialromantikern sehr gern gehörte oberflächliche Gerede von dem grundsätzlich bösen Wachstum. Richtiger ist, Wachstum mit dem Voranbringen der Wirtschaft und der Gesellschaft (wieder) stärker zu verbinden. Wachstum muss wieder in der Gesellschaft ankommen, das ist auch die dreizehnte These meines Wachstumsmanifests (von der im Übrigen einige meinen, sie sollte die erste These werden).

Nehmen wir die Herausforderung an. Überzeugen wir die, die dieses Wachstumsverständnis ganz offensichtlich noch nicht haben. Wir sind keine Opfer, wir sind die Gestalter.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer
Guido Quelle

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© 2019, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.
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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 369: Mythos „Home Office“

Aktuell gehen regelmäßig sogenannte Studien, Untersuchungen, Befragungen durch die Medien, die das „Home Office“ betreffen, einige politische Kräfte in Deutschland wollen sogar das Recht auf „Home Office“ gesetzlich verankern. Ich möchte davor ausdrücklich warnen und eine weitergehende Facette aus Wachstumssicht in die Diskussion bringen:

Richtig ist, dass das gelegentliche Arbeiten zuhause für manche Mitarbeiter sehr hilfreich sein kann. Man ist flexibel in der Zeiteinteilung, spart sich die Fahrtzeit ins Büro und zurück, allerlei praktische Dinge, die der Heimarbeit in die Karten spielen. Auch bei Mandat sind einige von uns Dank der technischen Möglichkeiten so gut ausgerüstet, dass wir zuhause ein zweites Büro haben, oder zumindest die Mittel für sinnvolle Arbeit daheim – die Berater sowieso, aber auch einige Assistentinnen arbeiten gelegentlich von daheim. So können wir auch Unwägbarkeiten abfedern, die durch Krankheit von Kindern, streikendes Kindergartenpersonal oder ähnliches ungefragt eintreten.

Aber: Das Arbeiten zuhause ist bei Mandat nicht die Regel und wird es auch nicht sein. Arbeiteten wir alle daheim, ging ein wesentliches emotionales Element verloren: Das Zusammensein, das Zusammenarbeiten, das Miteinander, der Austausch auch über Privates. Erfolgreiche Unternehmen, insbesondere wachstumsstarke Unternehmen lassen sich nicht auf das rein Rationale reduzieren. Es geht nicht nur um die Erledigung eines „Jobs“. Es geht darum, miteinander etwas zu erstreiten, zu erkämpfen, zu erschaffen. Vernunft bringt Menschen zum Denken, Emotion bringt Menschen zum Handeln. Der emotionale Klebstoff in einem echten Team ist nicht ersetzbar durch E-Mail, Chats, Videokonferenzen, Telefonate.

Diejenigen, die das Home-Office aus Kostengründen favorisieren und die dafür gefeiert werden, dass auch in den Büros keine festen Arbeitsplätze mehr existieren, vergessen, dass es genug Mitarbeiter gibt, die zu etwas gehören möchten, die sich nicht morgens einen Arbeitsplatz suchen möchten, die ein Stück Persönliches auch bei der Arbeit auf dem Schreibtisch haben möchten. Es sind die Menschen, die den Erfolg ausmachen, das wird gern vergessen.

Flexibilität ist prima, Dogmen sind aus Wachstumssicht unpassend und die Entfremdung von der Arbeit kann niemand wirklich wollen. In der Arie „Home-Office“ ist die letzte Strophe noch nicht gesungen und ich warne ausdrücklich vor der Entwicklung einer auf das Individuum reduzierten Arbeitskultur. Arbeit ist mehr als ein „Job“. Arbeit ist ein Teil unseres Lebens und die Suche nach Gemeinschaft endet nicht im Privaten. Gemeinsam entsteht Größeres.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer
Guido Quelle

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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 149: Profitabilität

Mandat Wachstums-WochenstartWachstum ist das eine. Profitables Wachstum ist das andere. Nicht umsonst lautet der Titel meines viel besprochenen Buches (das übrigens inzwischen Leser in mehr als 25 Ländern hat) “Profitabel wachsen” und nicht nur “Wachsen” oder “Unternehmenswachstum”. Das sei klar, meinen Sie? Na prima, dann können Sie aufhören, diesen Wachstums-Wochenstart zu lesen.

Alle anderen, die jetzt weiterlesen, seien bestärkt in ihren Bestrebungen, in ihren Unternehmen eine Kultur der Profitabilität zu etablieren. Stumpfes Addieren von Umsatz gehört in vielen Unternehmen immer noch zum Tagesgeschäft. Klar, wenn niemand fragt, welchen Profit der Umsatz bringt, kann das passieren.

Wir achten in unseren Beratungsmandaten stets gezielt auf die Profitabilität. Mandate in erfolgreichen Unternehmen, die auskömmlich gewachsen sind und bei denen sich die Eigentümer und / oder das Management fragen, warum trotz der erheblichen Wachstumsschritte nicht deutlich mehr unter dem Strich bleibt, als zuvor. Die Antwort ist einfach, die Lösung nicht immer: Zu häufig wurde der Umsatz mit zu hohen Kosten erkauft. Nicht einmal, dass die Marktpreise nicht stimmen, aber die Produktivität lässt zu wünschen übrig: Mehr Leute, mehr Gespräche, höhere Fixkosten, sprungfixe Kosten, … ergänzen Sie selbst … und nicht überproportional mehr Umsatz. Ehe man es sich versieht, hat man den Gesamtapparat vergrößert, ohne das zusätzliche Risiko mit einer höheren Profitabilität zu belohnen. Mit Zitronen gehandelt, so nennen wir das.

Profitables Wachstum bedeutet: Der Umsatz steigt stärker als der Markt durchschnittlich wächst und der Ertrag steigt prozentual stärker als der Umsatz. Sensibilisieren Sie Ihre Mannschaft dafür. Was diese davon hat? Zum Beispiel sichere Arbeitsplätze und das ist doch schon einmal nicht schlecht.

Sind Sie schon dabei? Jede Woche ein Wachstumsimpuls per Video: „Five Minutes for Growth“ – Die Mandat Wachstums-Videoserie, Staffel 1 – Jeden Dienstag erhalten Sie ein etwa 5-minütiges Video zu persönlichem und unternehmerischen Wachstum. Sie erhalten alle Episoden der seit Januar 2015 laufenden Staffel, nichts geht Ihnen verloren. Zur Information und Registrierung. Fünf kostenfreie Episoden gibt es hier zu sehen.

© 2015, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.

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