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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 152: Es sind immer die anderen

Mandat Wachstums-WochenstartFahrt zum Flughafen Düsseldorf. Den ersten Stau erahnt und umfahren. Kurzer Stau auf der A45, zähfließender Verkehr auf der A40. Zweimal. Ein veritabler Stau auf der A52. Das Resultat: Fast zwei Stunden für nicht einmal 80 Kilometer. Abgabe des Autos beim Valet Parking, Ticket nach Wien bei Austrian abholen, dann die übliche Schlange an der „Priority Lane“.

Was „Priority“ heißen soll, weiß am Airport Düsseldorf schon längst niemand mehr. Gut, dass dort nicht „Fast Lane“ steht, das wäre schlicht gelogen. Der neue Personenscanner ist ein Scherz. In den USA kann ich mit TSA Pre-Check meinen Laptop in der Tasche, die Schuhe angezogen und den Gürtel angelegt lassen. In Düsseldorf muss alles raus – bis auf die Schuhe, aber das Schuhe-Ausziehen kann auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

An der Schlange vorbei rast ein mittelaltes Paar, ein Herr und eine Dame, die – wichtig ihr Ticket schwingend – vorne fragen, ob sie vorbeidürften, ihr Flieger ginge bald, bla bla bla. Mein Flieger geht auch „bald“ und ich habe noch nicht gefrühstückt. Egal, lassen wir sie vor. Damit aber nicht genug, nun beginnt der Mann den Versuch, die Umstehenden für sich zu gewinnen: Der Flughafen sei ganz schlimm, das Personal faul, der Prozess ohnehin eine Katastrophe, insgesamt alles sei zu langsam, man könne ja gar nicht …

Schade, es war so schön still und ruhig bislang. Ich sage ihm, dass er als Vielflieger sicher wisse, wie der Airport Düsseldorf tickt und dass es hier eben lange dauert, aber er lässt sich nicht beirren. In seinen Ausführungen wird klar, dass alle anderen Schuld an der Verspätung der beiden haben, vermutlich auch wir, die wir den Rest der Schlange bilden. Am Ende der Security, beim Einpacken, fällt der Dame natürlich ein Flacon aus ihrem reichlich mitgebrachten Hausrat auf die Fliesen und zerbricht. „Welches Gate haben wir?“ (Schonmal aufs Ticket geschaut?) Der Mann dampft schon allein wutschnaubend ab. Was für ein Morgen für die beiden.

Es ist 9:28 Uhr, ich bin um kurz nach Sieben losgefahren, um den Flieger um 10:10 Uhr zu bekommen, weil ich weiß, wie es um den Verkehr und die Logistik steht. Boarding ist um 9:40 Uhr, knapp 10 Minuten habe ich in der Lounge, um zumindest noch etwas zu frühstücken. Aber wenigstens alles ohne Stress – und Austrian serviert ja immer auch eine Kleinigkeit. 9:38 Uhr: Raus aus der Lounge, pünktlich boarden, den Platz einnehmen, diesen Text schreiben. Geht doch.

Es sind nicht die anderen. Wir selbst sind für uns und unser Wohlbefinden verantwortlich.

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© 2015, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.
© Sprinter: mezzotint_fotolia – Fotolia.com

Mandat Wachstums-Wochenstart #79: Einen Gang heraufschalten

Geht es Ihnen manchmal auch so, dass Sie hochtourig drehen, tausend Dinge zugleich erledigen wollen und nichts schnell genug gehen kann? Sind Sie gerade in einer solchen Situation? Dann schalten Sie einen Gang herauf, drehen Sie langsamer und nutzen Sie Ihr Drehmoment anstelle der Drehzahl.

Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Sie haben einen Konflikt mit einem Kunden oder einem Mitarbeiter? Gehen Sie davon aus, dass die andere Partei ebenso an einer Lösung interessiert ist, wie Sie es sind. Beginnen Sie also mit der Absicht, eine Lösung zu finden.

Ein Projekt ist in einer „heißen Phase“ und Sie müssen noch an tausend Schrauben drehen, um es gut über die Bühne zu bringen? Lösen Sie sich von der Pflicht, dies selber zu tun, überlegen Sie lieber, wen Sie einbeziehen können, der Ihnen hilft.

Sie meinen, Sie müssten einem Kunden etwas besonders Gutes tun und machen mehr, als von Ihnen erwartet wird? Vergessen Sie es, es wird nicht nur nicht belohnt, es wird nicht einmal bemerkt.

Schauen Sie sich in dieser Woche, bevor Sie hektisch von A nach B hetzen an, wo Sie in einem höheren Gang fahren können, anstatt zu überlegen, wie lange der rote Bereich durchhält.

(c) 2013, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH

Die persönliche Sicht: Burnout

Ich finde, es wird Zeit, dass wir mit dem Thema “Burnout” differenzierter umgehen. Zugegeben, es lässt sich medial wunderbar verwerten. Zugegeben, es ist eine wunderbare Möglichkeit, sich zu profilieren und, ja, zugegeben, manche Menschen haben mehr “Stress” als andere.

Aber: Das Thema wird zu undifferenziert betrachtet. Nicht alles ist “Burnout”. Nicht jede körperliche oder psychische Schwächephase kann pauschal dem “Burnout” zugerechnet werden. Nein, hier wird zu kurz gesprungen. Und zwar wesentlich zu kurz. Dies liegt unter anderem daran, dass manche Menschen zu schnell auf die Lösung springen. Wenn Du aber nur einen Hammer hast, sieht alles wie ein Nagel aus. Komplexe Probleme lassen sich nicht mit simplen Phrasen lösen.

Wenn Menschen in eine Phase kommen, die wir heute landläufig mit “Burnout” zu bezeichnen geneigt sind, fehlt oft die ursächliche Spezifikation. Das wiederum führt zu Diskussionen unter interessierten Laien, die zu nichts führen. Ärzte, die sich auf Burnout spezialisiert haben, werden auch Burnout finden. Haben Sie einmal recherchiert, wie viele “Burnout-Berater” es inzwischen gibt? Was würden diese wohl ohne Burnouts tun? Umschulen? Woher nehmen diese Berater ihr Know-how?

Überdies werden hektische Pauschal-Aktivitäten entwickelt, wie so häufig, deren Wirkung auch sehr fragwürdig ist: E-Mails abends zwangsabstellen in Zeiten der globalen Projekte? Eine miserable Idee. Die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen? In welche Pflicht denn noch, bitte?

Nein, starre Regeln helfen nicht in diesen Zeiten. Es bedarf vielmehr einer Führung, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vermittelt, wie mit der vermeintlich zunehmenden Informationsflut (über die übrigens alle (alle!) Generationen seit Jahrzehnten klagen), besser umgegangen werden kann, wie zwischen “Wichtig” und “Unwichtig”, bzw. zwischen “Wichtig” und “Dringend” unterschieden werden kann. Es bedarf eines sozialen Umfeldes, das vermittelt, welcher unglaubliche Lebensqualitätsverlust damit verbunden ist, seine Zeit mit Ärgernissen in sozialen Netzen zu verschwenden.

Es bedarf keiner Vorschriften. Es bedarf der Eigenverantwortung. Es bedarf der Verantwortungsübernahme. Es bedarf des differenzierten Betrachtens. Wollen wir wirklich, dass andere darüber bestimmen, was uns gut tut? Was, wenn nicht unser eigenes Handeln, sollen wir denn selbst bestimmen?

(c) 2013, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH