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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 721: Zwischen Produktivität und Spieltrieb

Kürzlich hatte ich eine Wissensfrage an ChatGPT. Ich wies dem System eine Rolle zu, gab die gewünschte Art und Weise der Antwort vor – da ich ChatGPT schon eine ganze Weile nutze, weiß das System, dass es mir nicht mit Geschwafel und auch nicht mit Halluzinationen zu kommen braucht – und legte dann die Aufgabe vor. Natürlich kam prompt eine Antwort, sehr fundiert und, nach einer weiteren Spezifizierung, „eigentlich“ ausreichend.

Dann kam der Punkt, um den es in diesem Wachstums-Wochenstart geht: Ich war interessiert an der einen oder anderen Verfeinerung, fragte noch spezifischer nach, erhielt interessante Antworten und so verbrachte ich eine ganze Weile damit, mich mit meinem Agenten zu unterhalten, statt die erlangte Information auf dem Niveau des Beginns des Dialogs weiterzuverwenden. Es ging Zeit verloren.

In diesem Fall war es nicht wichtig, weil es eine private Frage war und ich den Zeitaufwand als „Hobby“ verbuchen konnte, aber auch in der Geschäftswelt verlocken die Möglichkeiten dazu, einen eigentlichen Produktivitätsvorteil, den wir durch KI unzweifelhaft an vielen Stellen erzielen können, durch Spielerei zunichte zu machen. Ich behaupte – ohne es belegen zu können –, dass viele Anfragen an ChatGPT & Kollegen wesentlich kürzer gefasst werden könnten, dass eine viel höhere Produktivitätssteigerung erzielt werden könnte.

Wie immer geht es um drei Dinge:

  1. Spezifikation: Was, genau, ist das Problem, das ich lösen möchte?
  2. Struktur: In welcher Struktur benötige ich die Ausgabe?
  3. Perfektion: Wann kann, soll, muss ich aufhören, damit ich keine Zeit verschwende.

Sie wissen, dass neben Gesundheit die Zeit unser höchstes Gut ist. Sie lässt sich nicht managen, sie läuft einfach weiter, es ist ihr schlicht egal, was wir mit ihr machen, wie wir sie verbringen. Es liegt an uns, Zeit gut zu nutzen.

Mein aktueller CEO-Tipp in unserem Mandat Growthletter trägt den Titel „Technologie ohne Ziel ist Spielerei“ und auch dort nehme ich dieses Thema auf. Bei aller Faszination für KI-Tools, bei allen „Gamification“-Aspekten und bei allen Möglichkeiten, die sich bieten, Vertiefungen der Vertiefungen der Vertiefungen zu erreichen, sind wir es, die gefordert sind, die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen und die uns eigentlich einen Produktivitätsvorteil verschaffen sollen, auch so einzusetzen, dass sie nicht in Zeitverschwendung münden, sondern eben den erwünschten Vorteil erzielen.

Erinnern Sie sich und auch Ihre Mitarbeiter bei nächster Gelegenheit daran. Damit die KI-Tools keine „Timesucker“ sind.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums Wochenstart Nr. 687: Perfektionieren oder revolutionieren?

Im sehr empfehlenswerten Digital-Newsletter der FAZ stieß ich kürzlich auf einen Satz, der diesem Wochenstart den Spin gibt. Doch der Reihe nach: Es ging im Kern darum, welche KI-Pläne und -Erfolge einige der großen Mitspieler im Markt haben. Gelobt wurden zum Beispiel Google, Microsoft und openAI. Wussten Sie übrigens, dass openAI mit ChatGPT einen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR, Annual Recurring Revenue, das ist eine der wesentlichen Messgrößen bei SaaS-Unternehmen) von 10 Milliarden Dollar verzeichnet? Nicht schlecht für ein Unternehmen, das vor einigen Jahren noch gar keinen Umsatz machte, oder?

In der Beurteilung der KI-Entwicklungen kam ein Unternehmen besonders schlecht weg, nämlich Apple. Zitat aus dem Newsletter: „Die Zweifel wachsen, ob Apples vorsichtige Strategie, KI mit kleinem Budget selbst zu entwickeln, aufgeht. In einem Markt, dessen Halbwertszeit auf sechs Monate geschrumpft ist, wirkt diese Vorsicht gefährlich: Wer lediglich perfektioniert, während andere revolutionieren, riskiert den Abstieg in die zweite Liga der KI-Ökonomie.“

„Wer lediglich perfektioniert, während andere revolutionieren, riskiert den Abstieg …“ Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht. Er trifft nämlich weitaus nicht nur auf die rasante, schnelllebige KI-Wirtschaft zu, nein, er trifft in allen Geschäftsmodellen zu. Der einzige Unterschied ist die Geschwindigkeit der „Revolution“. Wachstum kann nicht von permanenter Optimierung, Kleinverbesserung, Perfektionierung allein leben. Ja, es bedarf auch der Verbesserung des Bestehenden, aber für gesundes profitables Wachstum bedarf es unserer Überzeugung und Erfahrung zufolge auch der „Revolution“, im metaphorischen Sinn.

Manchmal müssen Geschäftsbereiche weg, andere vielleicht hinzu. Manchmal gehören Prozesse nicht optimiert, sondern ausgelagert oder abgeschafft. Produkte? Wann haben Sie Ihre Produktpalette zuletzt hinterfragt? Unserer Erfahrung zufolge kann in den meisten Unternehmen ein Viertel bis ein Drittel der Produkte ersatzlos entfallen, mit positiver Wirkung, nicht nur auf die Kosten, sondern auf den Umsatz. Das sind kleine „Revolutionen“ in bestehenden Märkten.

Mit einem unserer Klientenunternehmen haben wir gemeinsam in einer sehr intensiven strategischen Arbeit unter anderem herausgearbeitet, dass das Stammprodukt dieses Unternehmens, das allererste Produkt, künftig nicht mehr angeboten wird. Mit den geschäftsführenden Gesellschaftern eines anderen Familienunternehmens haben wir seinerzeit erkannt, dass einer von zwei Sortimentsbereichen ersatzlos entfallen wird. Projekt geplant, umgesetzt. Gesagt, getan. Das ist auch „Revolution“, im positivsten Sinne. Das sei nur Optimierung, meinen Sie? Nun, fragen Sie die Mitarbeiter und die Kunden, die sehen das nämlich ganz anders.

Revolutionieren oder perfektionieren? Alles zu seiner Zeit, natürlich. Aber das reine Feintuning bringt uns nicht weiter. In der KI-Wirtschaft sicher nicht, da ist man angesichts der Geschwindigkeit der Entwicklung auch stets sensibilisiert, in der „traditionellen“ Wirtschaft aber auch nicht. Die Balance zu halten zwischen dem Bewahren, dem Verbessern, dem Verwerfen und dem Erneuern, das ist die eigentliche Kunst bei der Gestaltung des Wettbewerbsvorteils.

Bewahren, verbessern, verwerfen, erneuern: Wie gut sind Sie in diesen Feldern balanciert?

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer
Guido Quelle