Schlagwortarchiv für: Ratio

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 720: Es geht nicht immer um Funktion

Unser Mandat-Jahres-Kick-Off liegt nun schon drei Wochen zurück. Es war super erfolgreich, wir haben zahlreiche Aktivitäten und Maßnahmen daraus abgeleitet, unser Jahr steht unter dem Leitthema „JUMP 2026!“ und wir sind sehr guter Dinge wieder nach Hause gefahren.

Wie immer haben wir viel Zeit miteinander verbracht und da wir beruflich viel in Hotels sind, kennen wir unterschiedliche Levels. Der Schnitterhof, in dem wir tagten, gefällt uns sehr gut, das gesamte Paket stimmt. Beginnend bei willkommenen Hunden, mit Zahnsticks auf dem Zimmer sowie einem Türschild „Hund auf dem Zimmer“ und Anleitungen für den richtigen Umgang mit Hunden in diesem Hotel – nebst der Adresse des nächsten Tierarztes (für Hundehalter immer wichtig), sind die Mitarbeiter willens und fähig. Das Essen ist gut, alle sind freundlich und wir haben wieder einen prima Tagungsraum erhalten, diesmal einen ganz neuen.

Wir kommen wieder.

Das ist aber nicht mein Punkt heute. Mein Punkt ist der folgende: Wenn man von den Tagungsräumen zu den Waschräumen, den WCs, möchte, geht man eineinhalb Treppen herab. Vor den WC-Türen? Ein Sofa, einige Hocker, an der Wand ein Regal mit Büchern, Spiegelattrappen.

Mir ist dies aufgefallen, als ich genau hinschaute. Haben die Objekte eine Funktion? Würde sich irgendwer dort unten, im Untergeschoss, auf die Couch setzen? Auf die Hocker? Würde sich irgendwer dort ein Buch aus den Regalen nehmen?

Nein.

Die Objekte haben keine Funktion in ihrem objektbestimmten Sinn. Sie sind einfach da, um die Umgebung schöner zu machen.

Manchmal geht es nicht um rationale Funktion. Manchmal geht es einfach darum, Dinge, Umgebungen, Situationen, Bereiche schöner zu machen. Dafür bedarf es der Investition. Controller rechnen so etwas sofort als entbehrlich heraus. Unternehmer aber wissen, dass es nicht nur um Ratio, sondern auch um Emotio, nicht nur um Funktion, sondern auch um Wohlfühlen geht.

Ich weiß, dass die Wenigsten von Ihnen ein Hotel betreiben, aber wir alle haben Felder, in denen wir es für unsere Kunden, Mitarbeiter, für uns selbst, schöner machen können.

Wo sind diese Bereiche bei Ihnen?

Was tun Sie dafür?

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Opel: „Umparken im Kopf“ – Logik versus Emotion

Opel hat(te) ein Problem: Es werden (wurden) nicht genügend Autos verkauft. Jetzt soll es „Umparken im Kopf“ richten und die Zahlen werden besser, so zuletzt von Tina Müller, Marketing-Vorstand bei Opel, verlautbart. So weit, so bekannt. Als Wachstumsexperten geben wir uns natürlich nicht damit zufrieden, schauen wir also strategisch und aus Sicht der Marke hinter die Kulissen. Das Resultat: Opel hat kein rationales Problem. Opel hat ein emotionales Problem. Und genau deswegen ist die Kampagne, die natürlich das Auto und seine Eigenschaften bespielt – ja, bespielen muss -, die vor allem aber eine emotionale Kampagne ist, richtig. Jürgen Klopp ganz voran als bodenständiger, positiv besetzter Sympathieträger, der auch bekundet, dass er vor allem den Opel Insignia und den Opel Adam mag (und damit glaubhaft nicht nur Werbung für irgendein Produkt macht), das Aufladen der Fahrzeuge mit Freude, Stil, Dynamik, Eleganz, je nach Modell. Und nicht zuletzt der Spruch „Umparken im Kopf“, der keineswegs ein rationales Element, sondern ein emotionales Element ist, denn wer nicht im Kopf umparken kann, ist – richtig: draußen. Man will also dazugehören.

Vergessen wir nicht: Opel Kadett (C) und VW Golf waren in den 70er Jahren von den Verkaufszahlen her nahezu gleichauf, mindestens aber in der gleichen Liga. Dann hat Opel den Kadett D auf den Markt gebracht, mit Frontantrieb, innovativ, aber kein Highlight. Danach kam eine Zeit der grauenhaften Produkte. Diese Zeit ist aber lange vorbei. Opel baut schon längst, deutlich vor „Umparken“, wieder gute Autos. Es will (wollte) sie nur niemand haben. Es wurde bei Opel vergessen, dass ein Autokauf vor allem eines ist: eine emotionale Entscheidung. Und exakt der Faktor „Emotion“ fehlte bei Opel. Deshalb ist „Umparken“ die genau richtige Kampagne.

Darauf allein lässt sich natürlich nicht ausruhen. In unseren Beratungsprojekten sind Vertrieb und Service häufige Schwerpunkte, denn hier wird maßgeblich über Wachstum entschieden. In der Vergangenheit waren Opel-Händler oft ein Ort des Grauens: Unaufmerksam, uninteressiert, der Kunde als Verwaltungsfall. Was geschieht also jetzt, wenn der interessierte Kunde an den POS kommt, an denjenigen POS, der eigentlich POT heißen müsste: „Point of Truth“, Ort der Wahrheit? Wie wird der Kunde bedient? Welche Emotionen werden vermittelt? Trifft der Kunde auf frustrierte Autoverkäufer, die sich unter Verkaufsdruck sehen und denen es völlig egal ist, ob nun „umgeparkt“ werden soll, oder nicht, Hauptsache sie sind nicht betroffen? Oder erlebt der Kunde, dass er weiter mitgenommen wird auf der „Umparken“-Reise? Was erlebt er beim Service? „Umparken“, eine ganz neue Dimension des Services? Oder „Abparken“, abgestellt werden in die Schlange der Wartenden? Ähnlich wie bei Mercedes („Das Beste oder nichts“) wird das Versprechen, das in der Werbung gemacht wird, am POS auf die Probe gestellt. Wenn Opel es schafft, die emotionale Komponente professionell und glaubhaft bis zum Kunden zu transportieren, ist es mir um Opel nicht bange. Dass die Ratio durch verlässliche Produkte bedient werden muss, ist dabei selbstverständlich.

Das Internationale Marken-Kolloquium am 18. und 19. September 2014 steht unter dem Thema „Marke – Logik und Emotion“. Exzellente Referenten, starke Marken, tolle Themen, eine handverlesene Teilnehmerschaft. Klicken Sie hier und schauen Sie herein. Noch können Sie sich anmelden, um sich einen der strikt limitierten Plätze zu sichern.

© 2014, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.