Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 718: Fans und Kult? Oder „egal“?

Als ich neulich in einem Wohnmobil-Magazin blätterte, blieb ich an der Stelle hängen, an der über ein Treffen der „Hobby-600-Freunde“ berichtet wurde. Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass viele von Ihnen nicht wissen, was das bedeutet und sich auch viele nicht für Wohnmobile interessieren, aber es wird Sie betreffen, warten Sie ab.

Der Hobby 600 ist ein älteres Modell des deutschen Wohnmobilherstellers „Hobby“, der übrigens als Stiftung immer noch ein deutsches Familienunternehmen und Europa-Marktführer bei Wohnwagen ist. Er zeichnet sich durch ein einzigartiges Design aus und auch sein größerer Bruder, der Hobby 700/750 – unser erstes Wohnmobil – führte dieses Design fort. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass dieses Auto immer die Blicke auf sich zog. Unser Hobby 750 war ein Dreiachser und er hatte drei Wohnzimmerfenster nebeneinander, senkrecht und schmal sowie leicht nach außen gerundete Seitenwände. Ein Hingucker, wie eben auch der Hobby 600.

2025 kamen also fünfzig Hobby 600 aus unterschiedlichen Generationen mit ihren Eigentümern zusammen, um sich zu treffen und auszutauschen. Zu lesen war, dass dieses mehrtägige Treffen ein großer Erfolg war. Es wurde in der einschlägigen Presse berichtet, wo auch ich Notiz davon nahm.

Manche Alltagsfahrzeuge, wie der Alfa Romeo Spider (davon habe ich auch noch einen 1978er) haben eine riesige Fangemeinde, ebenso der VW Käfer oder der Bulli.

Im Consumer-Bereich ist es ein wenig anders, nicht immer produktbezogen, sondern mit Fokus auf Marken oder Anwendung. Zum Beispiel gibt es weltweit Events zur klassischen Plattenspieler-Szene, wie dem Technics SL-1200 (ich habe einen guten Project-Spieler), aber auch andere Spieler werden dort genutzt. Leica als Kultmarke fokussiert sehr stark die SL- und M-Serie über Profis.

Allen Fanevents ist gemein, dass sich auf ein Produkt (Hobby 600, Käfer, Bulli, Spider), eine Marke (Vespa, Leica) oder eine Anwendung (Turntables) konzentrieren. Andere, wie Red-Bull-Events, nehmen den Sport als Transporteur der Marke.

Nun wissen wir, Emotion schlägt Ratio. Wir ahnen auch, dass Produkte, die im Lebensmitteleinzelhandel oder im Discount oder im Technikshop oder online im „Regal“ stehen und vielleicht zu den schnelldrehenden Verbrauchsgütern (FMCG) zählen, weniger leicht emotional aufzuladen sind (oh, warte, wie war das mit Red-Bull oder „Kleiner Feigling“? Oder mit Tempo oder Zewa – jeweils als Kategoriebezeichner?), aber wir stellen uns in Beratungsmandaten oft auch die Frage, wie eine Marke, idealerweise sogar ein Produkt Konsumenten zu Fans und sich selbst zu Kult machen kann.

Geht das immer? Nein. Funktioniert das manchmal? Ja. Ist das leicht? Nein, dann würden es alle machen.

Aber denken Sie einmal darüber nach. Selbst das Bestreben, in diese Richtung zu gehen, ist wertvoller, als im Zustand „egal“ zu sein.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 717: Wie startet Ihr Jahr?

Sind Sie auch davon überzeugt, dass etwas daran ist, dass man den Sieger eines Rennens am Start erkennt? Ein Klient von uns sagte dies in einem Arbeitstreffen und ich konnte dieser Einschätzung einiges abgewinnen, nicht verallgemeinernd, aber durchaus hinweisgebend.

Ich habe es mir zu eigen gemacht, dieses Bild auf alle möglichen Situationen anzuwenden. Ob ein Meeting gut wird, entscheidet sich zu Beginn, das eigene Auftreten hat damit allerhand zu tun. Ob ein Gespräch mit einem Handwerker gut wird, entscheidet sich bei der Begegnung an der Tür oder bei der Eröffnung eines Telefonats. Der Verlauf einer Gerichtsverhandlung, an der ich als Handelsrichter teilnehme, entscheidet sich oft zu Beginn nach der – immer sehr klaren und freundlichen – Eröffnung durch meine Vorsitzende Richterin mit den Einlassungen der Anwälte der Parteien.

So ist es auch mit einem neuen Jahr: Der Verlauf des Jahres entscheidet sich oft zu Beginn. Wenn Sie diesen Wochenstart lesen, hat die dritte volle Woche des Jahres 2026 begonnen. Wie haben Sie das Jahr gestartet? Positiv, zukunftsgewandt, mit voller Energie? Dann haben Sie schon einmal eine gute Grundlage für das Kalenderjahr geschaffen. Wenn es auch Ihr Geschäftsjahr ist, eben auch für jenes.

Sollten Sie zu den zahlreichen Menschen gehören, die meinen Wochenstart direkt am Montagmorgen lesen – er wird ja um sieben Uhr an einige Tausend registrierte Leser versendet: Wir starten in drei Stunden, um 10:00 Uhr, mit unserem jährlichen Kick-Off-Meeting. Dazu kommt das gesamte Team in einer Offsite-Location zusammen und wir arbeiten miteinander drei Tage lang daran, dass das neue Jahr ein Top-Jahr wird.

Die Themenvielfalt ist groß, wir sorgen dafür, dass die Themen und Maßnahmen im Einklang mit unserer Strategie stehen und natürlich – dazu kennen Sie uns gut genug – setzen wir den Fokus auf die Umsetzung des Beschlossenen. Für eine Verkündungsveranstaltung oder eine „Eigentlichmüsstenwirmal“-Debatte ist ein Kick-Off nicht geeignet. Natürlich kommen auch Ideen und Gedanken auf, deren Realisierung uns noch nicht klar ist. Diese erhalten, wenn wir die Klärung nicht herbeiführen können, eine Wiedervorlage.

Das Kick-Off ist uns sehr wichtig, es ist unser offizieller Start ins Jahr. Ja, wir sind schon seit fast zwei Wochen wieder im Wachstumsbusiness, aber das Kick-Off ist unser echter Startpunkt für viele neue Dinge und für das Weiterverfolgen bestehender Initiativen.

Was dabei herauskommt? Vieles davon werden Sie erfahren, entweder in der Zusammenarbeit oder in unserem Mandat Growthletter®, der jeden ersten Montag im Monat erscheint, oder durch unsere Öffentlichkeitsarbeit oder durch unsere direkte Kommunikation mit Ihnen, denn viele von Ihnen erhalten ja auch Mails zu interessanten Spezialthemen von uns.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 716: Geradeaus kann jeder

Fahren Sie Ski? Ist das in Kürze wieder an der Reihe? Dann wissen Sie, wovon ich rede: Bei der Abfahrt oder beim Slalom braucht man nicht nur einen guten Belag, sondern, wenn man nicht nur geradeaus fahren will, auch gute Kanten. Geschärfte, geschliffene, griffige Kanten. Erst dann werden Kurven zum Genuss und nicht zum Verdruss. Alle, die Ski fahren, wissen das.

Szenenwechsel:

Als ich jüngst meine Schwiegereltern spontan aus Berlin evakuiert habe, weil sie von dem Stromausfall im Südwesten betroffen waren, fuhren wir die knapp 500 Kilometer nach Dortmund auf der Autobahn durch teilweise sehr widriges Wetter. Schnee, Sturm, Gewitter, Graupel, teils schneebedeckte, ungeräumte Fahrstreifen, Fahrbahnmarkierungen nicht immer erkennbar, Sichtweiten teilweise 30 Meter und weniger. Das alles im Dunklen, denn die Fahrt erstreckte sich von kurz vor 22 Uhr bis 3 Uhr morgens.

Wir fuhren mit unserem LeoExpress, einem modernen VW Multivan und ich fuhr natürlich defensiv, mit großem Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen, sehr konzentriert, oft auf der rechten Spur – wobei die meisten auf der mittleren Spur fuhren, aber das war mir egal.

Was mich wunderte: Viele Autofahrer fuhren sehr viel schneller als ich und das auf der linken, oft ungeräumten Spur. Natürlich hätte ich das auch gekonnt, denn Winterreifen mit ordentlichem Profil, Allrad, alle möglichen Helferlein hätten uns schon in der Spur gehalten.

Aber …

Aber man muss auch bremsen können. Und die Physik lässt sich nicht überlisten, auch wenn einige Autofahrer das offenbar nicht vor Augen haben.

Geradeausfahren kann jeder. Skier anschnallen, ab geht die Post. Ab ins Auto, „volle Pulle“ voran. Immer schön schnell geradeaus, ist gar kein Problem. Wenn es aber um Kurven, um plötzliche Umfahrungserfordernisse, um Hindernisse auf der Fahrbahn oder auf der Piste, ums Bremsen geht, dann brauche ich Vorausschau, Reaktionsvermögen, zeitlichen Abstand, Profil und scharfe Kanten.

Viele Unternehmen können nur geradeaus fahren. Sie haben die Kontur verloren (oder hatten gar keine), ihr Profil nicht geschärft (oder hatten gar keines), einfach im Markt mitgemacht. Sie können Vollgas geben (Preise senken, Produktionsausstoß erhöhen, Vertriebsoffensiven starten), aber sie haben die Eleganz verloren, den eigenen Weg selbst zu bestimmen, denn rasen sie erst dahin, stellen sie plötzlich fest: Das Bremsen ist gar nicht so einfach. Die Kurven sind ganz schön eng. Die Verkehrs- und Wetterlage hat sich plötzlich verändert und wir fahren immer noch mit Vollgas. Oh! Es ist noch ganz schön viel Geschwindigkeit für recht wenige Meter übrig.

Wie steht es um Ihr Profil? Wie scharf sind Ihre Kanten? Sind Sie zu nah an der „Beliebig AG“ oder geben Sie durch Umsicht, Schärfe und Klugheit den Takt vor? Sind Sie leichtfüßig genug, um den Markt zu bestimmen?

Der Jahresbeginn ist ein guter Zeitpunkt, diese Fragen zu beantworten und Schlüsse daraus zu ziehen. Wenn Sie dazu einen Partner brauchen, wissen Sie, wo Sie uns finden (den musste ich verwandeln).

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 715: Gelingensbedingungen

Im Spätherbst letzten Jahres war ich auf dem parlamentarischen Abend, einhergehend mit der Verleihung des Deutschen Mittelstandspreises der MIT in Berlin. In der Kategorie „Gesellschaft“ ging der Preis an die „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ unter der Leitung von Julia Jäkel, Bundesminister a.D. Thomas de Maizière, Bundesverfassungsgerichtspräsident a.D. Andreas Voßkuhle und Bundesminister a.D. Peer Steinbrück. Die vier Persönlichkeiten haben handfeste Vorschläge für eine Staatsreform vorgelegt und seien, so bekundeten sie auf der Bühne, zu Freunden geworden, was man ihnen angesichts ihres launigen und gleichwohl kompetenten Auftritts auch glauben mag.

Neben Wortwitz und Schlagfertigkeit, insbesondere von Herrn Steinbrück, den ich so vorher noch nicht erlebt habe und der sehr großen Applaus für seinen Beitrag bekam, ist mir ein Wort besonders in Erinnerung geblieben. Ich meine, es sei Julia Jäkel gewesen, die davon sprach, dass solch große Reformen auch guter „Gelingensbedingungen“ bedürfen.

Gelingensbedingungen.

Das Wort gefällt mir außerordentlich gut und ich möchte Sie mit diesem Wort einmal zu Beginn dieses neuen Jahres – heute werden sicher noch einige in den Ferien sein – auf eine gedankliche Reise schicken:

Welches sind Ihre Top-Vorhaben in diesem Jahr (privat und geschäftlich), welche Gelingensbedingungen müssen vorliegen, damit die Erfolgswahrscheinlichkeit für diese Vorhaben möglichst hoch ist und wie können Sie zu diesen Gelingensbedingungen maßgeblich beitragen, was ist Ihr Hebel?

Belassen wir es für heute bei dieser Frage, sie gibt genug Denkstoff.

Auf ein gutes neues Jahr und

Ihr und Euer

Guido Quelle