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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 723: Es war noch nie so leicht

Neulich im Taxi: „Wohin?“ Ich nannte die Adresse und meinen Wunschweg. „Du kennst den Weg?“ – „Ja. Wir fahren wie folgt: …“ – „Hier geradeaus?“ – „Wie gesagt.“ – „Du hast gesagt, Du kennst Dich aus, dann musst Du sagen, wo wir herfahren, ich bin nicht GPS.“

Tja, da weißt „Du“ Bescheid.

Früher gab es von Amazon Sendungen mit beigefügter Rechnung. Die Zeiten sind lange vorbei, die Rechnung kann man sich fein herunterladen, selbst ausdrucken oder vom Plattformhändler besorgen, mitunter sehr umständlich. Viele andere Dienstleister haben nachgezogen. Die Aufgabe wurde auf den Kunden verlagert.

Wir finden dieses Phänomen auf vielfältige Weise in vielen Branchen und Geschäftsvorgängen: Arbeiten und Verantwortung werden auf den Kunden verlagert. Jüngstes Beispiel: Die Banken, welche die Verantwortung des exakten Adressatenabgleichs (IBAN hat immer funktioniert, der Name stimmt aber nicht buchstabenexakt überein) auf den Kunden verlagert. Funktioniert es mal nicht? Die Bank ist aus der Verantwortung heraus: „Wir haben es Ihnen ja gesagt!“

Früher befleißigte man sich einer eher gemäßigten Sprache. Mein Vorbild war immer die Sprache der Diplomatie. Das Äußerste, was dort genannt wird, wenn jemand wirklich kurz vor dem – Verzeihung – Ausflippen über einen Vorgang ist, ist das Wort „inakzeptabel“. Vorher kommt die Stufe „irritiert“, davor kommt „unangemessen“, davor kommt „überrascht“. Achten Sie einmal darauf, wie Außenminister, Botschafter, Regierungschefs reden. Jeder weiß, was gemeint ist.

Aktuell eskaliert Sprache im Alltag. Weil es nicht mehr darum geht, ob eine Sache als richtig oder falsch angesehen wird, sondern sofort ad hominem gesprochen wird, sind Menschen „Idioten“ und anderes mehr. Auch im Geschäftskontext werden immer mehr absolute Formulierungen gewählt. Das beginnt beim „Das ist unmöglich und das wissen Sie genau“ und hört beim „Isso!“ nicht auf.

Drittes Thema: Der Benimm. Früher war es selbstverständlich, dass man im ÖPNV den Platz denen angeboten hat, die ihn mehr benötigten als man selbst, zum Beispiel alte Menschen, heute fläzen sich manche Fahrgäste auf den Sitzen, nicht daran denkend, dass die Oma mit dem Einkaufstrolley vielleicht sitzen möchte. Türen aufhalten, jemanden an der Kasse vorlassen, jemanden in die eigentlich zu enge Lücke im Straßenverkehr lassen? Eher die Ausnahme als die Regel. Vom gesitteten Essen mit Messer und Gabel und dem vielleicht nicht auf den Tisch gelegten Arm habe ich dabei noch gar nicht gesprochen.

So. Da stehen wir nun. Wie gesagt, nicht verallgemeinert, aber verstärkt zu beobachten. Was machen wir nun damit? Sie kennen meinen Satz: „Früher war nicht alles besser, früher war nur vieles anders.“ Es geht nicht darum, ein „Früher“ schönzureden. Wir drehen den Spieß also einfach um, wie Sie es oft von mir und uns kennen.

Es war nämlich noch nie so leicht, einen Unterschied zu machen, wie heute. Es wird von Kunden – auch von unseren Klienten – sehr geschätzt, wenn man Aufgaben übernimmt, statt sie auf den Kunden abzuwälzen, es wird geschätzt, wenn man flüssig mit einem großen Wortschatz und dessen Bedeutung umgehen kann und es wird wertgeschätzt, wenn man Benimm zeigt, sei es im beruflichen Alltag, bei Tisch oder in privatem Umfeld.

Machen wir einen Unterschied! Es wird gesehen und wertgeschätzt. Davon können Sie ausgehen.

Ach, ja: Sagen Sie das auch Ihren Mitarbeitern!

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart #92: Ein Benimm-Seminar genügt nicht

Neulich in einem Restaurant: Vier Erwachsene nehmen an einem reservierten Tisch Platz, erhalten ihre Getränke und prosten sich formvollendet zu: „Auf einen schönen Abend“. Ganz ohne die Gläser erklingen zu lassen, denn sowohl die Formulierung als auch das Nicht-Anstoßen sind ja kniggemäßig korrekt. Einige Minuten später, das Gespräch ist im Gange, das Menü ist geordert, zückt einer der Gäste sein Smartphone hervor, um wie selbstverständlich irgendetwas (unterhalb der Tischkante) zu checken. Dahin war er, der Geist des Herrn Knigge.

Ein Benimm-Seminar genügt nicht, um sich gutes Benehmen anzueignen. Gutes Benehmen muss man leben. Lieber miteinander anstoßen und sich zuprosten, als die Formeln zu kennen und bei Tisch mit dem Smartphone surfen. Wie sagt unsere Benimm-Trainerin immer? „Es ist wichtig, die Regeln zu kennen und dem Umfeld entsprechend anwenden zu können.“ Eine gewisse Flexibilität ist also erlaubt. Dazu gehört aber nicht das Smartphone bei Tisch.

Merke: Auch wenn es „alle“ tun, wird Falsches nicht richtiger.

(c) 2014, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.

Das Bluetooth-Headset und die Frage nach dem Benimm

Der Segen der mobilen Kommunikation ist nicht zu leugnen. Bedauerlicherweise erfordert die gewonnene mobile Freiheit auch ein gewisses Maß an Anstand und Benimm, das manche Mitmenschen nicht in der notwendigen Deutlichkeit erkennen lassen.

Ein prima Beispiel haben mein Kollege Fabian Woikowsky und ich am vergangenen Montag auf dem Flughafen Düsseldorf erlebt: Unmittelbar vor uns schert mit Vollgas ein weiterer Fluggast in die Warteschlange am Check-In-Schalter der Lufthansa ein, rammt seinen Koffer in den Boden und sich sogleich sein Bluetooth Headset ins Ohr. Einmal ordentlich im Gehörgang vergraben geht das muntere Plaudern los. Keiner von uns will’s hören, auch die Dame am Lufthansa-Schalter nicht, die den Fluggast ohne eine Miene zu verziehen, eincheckt.

Während wir unsere Tickets erhalten taucht der gerade eingecheckte Fluggast wieder hinter uns auf, rammt seinen Koffer in den Boden (ein klares déjà-vu), hat sein Bluetooth-Headset immer noch im Ohr, telefoniert aber augenscheinlich nicht. Die Dame am Lufthansa-Schalter schaut fragend und er stellt kleinlaut fest, dass er vergessen habe, den soeben in den Boden gerammten Koffer aufzugeben. Die Lufthansa-Mitarbeiterin lakonisch: „Habe ich mir gedacht, aber ich wollte Sie nicht beim Telefonieren stören.“ Ha, Gerechtigkeit, nimm Deinen Lauf. Strike!

Während ich dies schreibe sitzen wir in der Senator Lounge am Flughafen Stuttgart und wundern uns, dass wir hier überhaupt herein gekommen sind. Die Lufthansa-Karte war es wohl nicht, denn offensichtlich ist eine Eintrittsbedingung, dass man mit Bluetooth Headset – oder ersatzweise auch mit weiß verkabelten Apple®-In-Ears – im Ohr herumläuft, dabei gestikuliert und mit Menschen an fernen anderen Orten spricht – in allen Sprachen dieser Erde, zu Themen, die wir nicht hören wollen. Weder haben wir aber ein geeignetes Headset (muss unbedingt blau blinken!) zur Hand, noch verspüren wir die geringste Neigung, laut telefonierend durch die Lounge zu wandeln, eben deshalb wundern wir uns, Einlass erhalten zu haben. Wir geben uns aber Mühe, unsere Unkultiviertheit zu vertuschen und sprechen dafür laut miteinander. Das nächste Mal müssen wir unbedingt ein Headset mitnehmen und auf und ab laufen, das ist sicher.

Wo sind eigentlich die Benimm-Trainer, wenn man sie mal wirklich braucht?

(c) 2012, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH