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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 719: Zitronen zu Limonade machen

Vor einigen Wochen war ich mit einer unserer Hündinnen bei einer internationalen Hundeausstellung in Belgien; Leser des Wochenstarts wissen, dass wir gelegentlich mit unseren Hunden auf Ausstellungen unterwegs sind. Angetreten sind wir, um eine weitere Anwartschaft für das belgische Schönheits-Championat zu erlangen. Wir waren in der Championklasse gemeldet, weil die Hündin schon nationale Championate und auch das internationale Championat hat, waren rechtzeitig vor Ort, nahmen unseren Platz ein und warteten darauf, dass wir an der Reihe waren.

Der belgische Richter, den ich nicht kannte, machte auf Entfernung einen freundlichen Eindruck. Als wir an der Reihe waren, kontrollierte er die Zähne unserer Hündin extrem genau, bemängelte das eine oder andere und beurteilte auch das Laufen als nicht optimal. Am Ende bekamen wir nicht die beste Note, die wir benötigt hätten („vorzüglich“), sondern „nur“ die zweitbeste Note („sehr gut“). In der Championklasse ist das eher ungewöhnlich und obwohl ich nicht mit Richterurteilen hadere, wenn sie fair sind, haderte ich mit diesem, weil ich es nicht fair fand. Egal. Widerspruch ist zwecklos: schütteln, weitermachen. Ein gebrauchter Ausstellungstag, wir fuhren nach Hause – ich etwas enttäuscht, die Hündin happy, weil ich sie natürlich sehr gelobt habe und weil es vor der Abfahrt Futter gab.

Trotzdem nahm ich zwei Dinge mit: Erstens ist mir bei der sehr intensiven Zahnkontrolle, während ich vor der Hündin hockte, ein Schaden an einem Schneidezahn aufgefallen, den man nur von unten und nur sehr schwer entdecken konnte – selbst der Richter konnte das aus seiner Position nicht sehen – und zweitens ist mir nach unserem eher verhaltenen Lauf klar geworden, dass ich die ganze Zeit Bedenken hatte, die Hündin könnte rutschen, weil die Laufbahn nämlich nicht mit Teppich ausgekleidet war, wie es normalerweise der Fall ist.

Zwei Top-Erkenntnisse waren das. Handlungen folgten unmittelbar.

Der Fachtierärztin für Zahnheilkunde unseres Vertrauens sendete ich Fotos vom Zahn und wir besprachen uns direkt am folgenden Montag. Sie sagte, der Zahn müsse unbedingt behandelt werden, so dass wir uns einige Zeit später zur Behandlung in der Nähe von Hannover einfanden – das ist immer eine größere Sache, denn Hunde müssen dafür in Narkose gelegt werden. Behandlung erfolgreich. Thema 1 erledigt.

Ich selbst habe entschieden, dass wir nicht mehr zu diesem Ausstellungsort gehen werden, denn mir ist wichtig, dass unsere Hunde ihr fabelhaftes Gangwerk auf rutschfestem Boden zeigen können, ohne dass die Gefahr besteht, dass ein Hund auf unbelegtem Boden ausrutscht. Hundegesundheit steht im Vordergrund. Also: Ausstellungsort gestrichen. Thema 2 erledigt.

So war das doch ein wichtiger und erfolgreicher Ausstellungstag. In anderem Sinne, aber immerhin.

Kennen Sie den Spruch – er ist nicht von mir: „Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, mach‘ Limonade daraus“? Ich versuche grundsätzlich, mich an diese Empfehlung, die ja auch eine „Mindset-Frage“, ja eine Frage persönlichen Wachstums ist, zu erinnern. Es ist ein schmaler Grat zwischen „Schönreden“ und „Positives suchen“.

Wie bekommen Sie das in Ihrem beruflichen und privaten Alltag hin? Wie gehen Sie in Ihrer Führungsposition mit diesem Gedanken um, in jedem Missstand auch nach etwas Positivem zu schauen?

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart® Nr. 478: Satellite

Mandat Wachstums-Wochenstart® Nr. 478: Satellite

Auf Antenne Bayern wurde vor kurzem nach einem Interview mit Lena Meyer-Landrut ihr Mega-Hit „Satellite“ gespielt. Erinnern Sie sich? Es ist schon elf Jahre her, 2010 war es, als der Titel veröffentlicht wurde und er hat die Welt im Sturm erobert, gipfelnd in dem Gewinn des European Song Contests im Jahr 2010.

Meine Frau und ich waren gemeinsam im Auto unterwegs, als wir den Titel hörten und haben uns darüber gefreut. Dann haben wir uns gefragt, was „Satellite“ besonders macht und gemacht hat, so dass es sogar zum Sieg im ESC kam. Hier kommen einige Erkenntnisse:

  • Der Song ist fröhlich (obwohl in Moll gehalten), gefällig und war in seiner Art weitgehend neu.
  • Der Text ist vergleichsweise leicht, keine echte Problembewältigung, nur eine allfällige Liebesbekundung, keine ideologische Aufarbeitung von Weltschmerz, kein „Betroffenheits-Pop“ (danke, lieber Tom Hegermann, für diesen Begriff!), also auch keine versuchte Eigentherapie auf Kosten der Hörer – diese Leichtigkeit wird heute schmerzlich vermisst.
  • Es ist ein guter Mitwipp-Beat (4/4 Takt, 95 beats per minute), keine Schnarchnaseneinschlafmusik, die den Fahrer-Aufmerksamkeitssensor im Auto triggert
  • Der Song ist unperfekt- Über die seinerzeitige englische Aussprache der Künstlerin haben sich Tausende die Mäuler zerrissen – dafür hat die Künstlerin aber den Contest gewonnen und die Kritiker nicht. Erfolg ist unbestechlich.
  • Eine energiegeladene, dynamische, fröhliche Protagonistin.
  • „Satellite“ polarisiert durch seine Art. Die meisten die ihn kennen, haben eine Meinung zu dem Titel

Das waren nur einige Erkenntnisse.

Wir würden ja nicht im Wachstums-Wochenstart über Lena Meyer-Landrut und Satellite sprechen, wenn wir nicht auch über Wachstum sprechen wollten. Also: Können wir etwas aus diesem Erfolgssong für unser Business ableiten? Ich glaube schon, denn ich beobachte, dass manche Prinzipien sich regelhaft in erfolgreichen Produkten und Leistungen wiederfinden:

  • Sie sind entweder leicht zu verstehen oder werden verständlich erklärt.
  • Sie sind positiv, schaffen eine Lösung, nicht ein weiteres Problem
  • Sie machen auf eine gewisse Art und Weise Freude, man fühlt sich mit ihnen besser als ohne sie.
  • Sie sind nicht perfekt. Trotzdem nutzt man sie gerne wieder.
  • Sie werden von Unternehmen und Mitarbeitern angeboten, die mit Energie und Freude an die Arbeit gehen und ihre Kunden nicht merken lassen, dass es manches Problem geben könnte.
  • Sie haben Kontur und differenzieren sich von den Produkten und Leistungen des Wettbewerbs.

Ist doch klar, meinen Sie? Nun, dann machen Sie in Ihrem Unternehmen einmal den Realitätstest, ich bin gespannt.

Im Übrigen entsteht der Erfolg mancher dieser Produkte unerwartet. Die Komponisten von „Satellite“ hatten den Song nie für den ESC geplant, eine der Komponistinnen hatte von dem Contest überhaupt noch nichts gehört.

Alan Weiss sagte mir einmal “You’ll never know where the next hit is coming from.“ Recht hat er.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle


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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 448: Der Erfahrungsirrtum

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 448: Der Erfahrungsirrtum

Ich bin privat Mitglied in einigen ausgewählten Facebook-Gruppen zu Leonberger-Hunden. In einer dieser Gruppen tauchte neulich eine fachliche Frage auf. Ich beantwortete der Dame die Frage aus meiner Sicht und merkte direkt an, dass sie viele Meinungen erhalten werde und sich selbst ein Urteil werde bilden müssen. So war es auch: Kaum hatte ich meine Antwort geschrieben, gingen weitere Antworten ein, die oft eine andere Meinung auswiesen, grundsätzlich aber sehr sachlich waren.

Je länger die Liste der Antworten wurde, desto vehementer wurden die Vorträge. Wurde zu Beginn noch eher neutral das Für und Wider zweier Lösungen beleuchtet und wurde die eigene Meinung als solche dargestellt, geriet der Antwortton immer vehementer und ultimativer. Die Steigerung erfuhr die Antwortenliste dadurch, dass Erfahrung ins Spiel gebracht wurde: „Wir haben seit 40 Jahren Leonberger und …“, „Ich züchte schon seit Jahrzehnten und man macht das so: …“. Teilweise wurden Lösungen vorgetragen, die völlig inakzeptabel, weil wissenschaftlich widerlegt oder völlig aus der Zeit gefallen waren. Aber: der Vortragende hat x-tausend Jahre Erfahrung mit Leonbergern.

Ich habe darauf verzichtet, anzumerken, dass meine Frau und ich eine international akkreditierte Zuchtstätte haben und seit fast 20 Jahren Leonberger-Hunde halten. Warum? Weil meine Einlassung diesbezüglich der Fragestellerin keine weitere Erhellung gebracht hätte und weil ich sicher bin, dass unserem bestehenden und sich ständig durch Weiterbildung entwickelnden Erfahrungsschatz ein viel größerer Erfahrungsschatz entgegengestellt worden wäre, unabhängig von dessen Werthaltigkeit.

Sie kennen diese Situation aus Meetings: Kaum diskutiert man einen Gegenstand, fühlt sich jemand bemüßigt, seine Erfahrung ins Spiel zu bringen, um entweder den Punkt zu unterstreichen, oder um einen anderen Punkt zu machen. In jedem Fall soll die Erfahrung dazu herhalten, die Autorität der Meinung und die Fundiertheit derselben zu zementieren.

Für mich wird andersherum ein Schuh daraus: Erfahrung nützt anderen nur dann, wenn sie mit neuem Wissen angereichert wird. Wenn jemand eine Meinung verteidigt, die nachweislich nicht dem aktuellen Stand entspricht, deren Umsetzungskonsequenzen vielleicht sogar kontraproduktiv wären und diese Meinung dann mit einer 40-jährigen Erfahrung untermauert, kann ich mich meistens nicht zurückhalten, zu sagen „dann haben Sie offenbar schon einige Jahre nichts hinzugelernt.“

Erfahrung ist nur dann hilfreich, wenn sie in umsetzbare Aktivitäten mündet, die jemanden tatsächlich nach vorne bringen. Erfahrung ist überhaupt nicht hilfreich, wenn sie dazu genutzt wird, eine Meinung zu verteidigen und erkennbar wird, dass die Erfahrung zwar tatsächlich möglicherweise schon Jahrzehnte alt ist, sich aber nicht durch neue Erkenntnisse angereichert hat. Am besten hört man dann weg.

Gerade wenn wir über Wachstum sprechen, ist es wichtig, dass wir neue Wege gehen. Erfahrung ist uns dann eine Hilfe, wenn wir mit ihrer Unterstützung zu besseren Erkenntnissen kommen, als ohne sie. Wer auf seiner Erfahrung aus der Vergangenheit beharrt und nicht beständig aus der Gegenwart hinzulernt, um die Erfahrung aktuell zu halten, der springt wesentlich zu kurz.

Wachstum kann nur durch diejenigen entstehen, die Bekanntes, Bewährtes nicht überbewerten, sondern angemessen in ihre Entscheidungen einfließen lassen. Schauen Sie sich in Ihren Runden um: finden Sie „Erfahrungs-Verteidiger“? Dann wird es Zeit, sie darauf aufmerksam zu machen, dass viele Erfahrungen ein Verfallsdatum haben.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

 

 


Die Frage der Woche:

„In Bezug auf Veränderungen ist unser Unternehmen… “

Um an der Umfrage teilzunehmen klicken Sie einfach auf: Wachstumsfrage der Woche

 

In der letzten Woche haben wir gefragt: „Ich habe den Eindruck, dass wir in unserem Unternehmen… “

Ihre Antwort:

  • noch unter unseren Möglichkeiten arbeiten – 69 %
  • genau auf dem richtigen Leistungsniveau arbeiten – 19 %
  • eher überfordert sind – 12 %

 

Balance


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© 2020, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.
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