Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 729: Machen Sie einen Unterschied
Ein Nachmittag in irgendeinem Saal in Deutschland. Mehrere Hundert Personen haben sich versammelt, die meisten aus der Wirtschaft, um einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zu folgen. Auf dem Podium: jeweils ein Spitzenvertreter aus jeder im Parlament vertretenen demokratischen Partei. Es sind Wahlzeiten, es ist Wahlkampf, die Politiker wollen ihre Positionen verdeutlichen und zeigen sich daher gern.
In der Mitte: Ein Moderator, dessen Aufgabe es ist, bei den Diskutanten nicht nur im Internet nachlesbare Positionen abzufragen, sondern auch Neues herauszufinden, idealerweise sogar eine kontroverse Diskussion zwischen den Diskutanten zu forcieren. Der Moderator macht das gut, einige auf dem Podium streiten fein, manch Neues wird bekannt. Prima.
Dann, der nächste Abschnitt: Fragen aus dem Publikum. Es erfolgen Wortmeldungen, das Mikrofon wird angereicht, eines pro Seite rechts und links des Mittelgangs.
Es passiert, was passieren muss: Statt einer Frage erfolgen Co-Referate, Positionsbekundungen, eigene Meinungen werden mitgeteilt. Manches ist interessant, das meiste nicht, das Allermeiste ist irrelevant. Mit etwas Glück kommt doch noch eine Frage, die dann, auf das Co-Referat eingehend, meist episch beantwortet wird. Die Zeit vergeht, die Stunde ist um, der Moderator verabschiedet die Kandidaten, wünscht ihnen Glück und bedankt sich bei allen.
Das hat der Moderator nicht so gut gemacht und die Co-Referenten haben das auch nicht gut gemacht.
Machen Sie einen Unterschied!
Wenn Sie in die Situation kommen, irgendeine Runde – das muss keine Wahlkampfrunde, keine riesige Veranstaltung sein – zu moderieren, machen Sie die Regeln klar. Sagen Sie den Teilnehmern, dass diese kurz und knapp antworten sollen, da Sie sie sonst unterbrechen werden. Sagen Sie den Teilnehmern, dass diese die Frage an den Anfang stellen sollen, weil Sie keine Co-Referate dulden werden. Das müssen Sie am Anfang tun, denn wenn erst einmal die erste ausschweifende Ausführung stattgefunden hat, haben Sie keine Grundlage mehr, den nächsten zu unterbrechen. „Warum durfte mein Vorredner so lange reden und ich nicht?“ – Berechtigte Frage.
Machen Sie einen Unterschied!
Wenn Sie als Teilnehmer in einer Runde sind, stellen Sie einfach eine Frage. Ohne zu beschreiben, warum Sie die Frage stellen. Ohne Brimborium. Sollte Kontext erforderlich sein, wird sich der Leiter der Runde die Information einholen.
Und jetzt kommt’s: Das gilt auch für interne Meetings. Das gilt auch für Beratungsgespräche. Ich stelle sowohl als Moderator von großen Diskussionsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Workshops als auch in der 1:1-Beratung von Unternehmern Regeln auf. Eine davon ist: Stellen Sie die Frage an den Anfang, ich hole mir schon die Infos, die ich brauche, sollte dies erforderlich sein. Als Experte in einer Diskussionsrunde versuche ich, mich kurz zu fassen und exakt auf die mir gestellte Frage zu antworten. Es fällt auf.
Einfach nur eine Frage zu stellen, einfach nur präzise zu antworten, das macht einen Unterschied, probieren Sie es aus.
Auf eine gute Woche!
Ihr und Euer
Guido Quelle
