Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 747: Zwei Euro Sechsundzwanzig

Ich bin ein „Einzelwertanlage-Amateur“. Vor einigen Jahren habe ich in einige Technologieaktien abseits des Mainstreams von Apple, Alphabet und so weiter investiert und wie immer haben sich die meisten schlechter entwickelt als erhofft, zwei haben sich sehr gut entwickelt, eine davon sogar außerordentlich gut. Da ich mir im Depot Verluste nur eine begrenzte Zeit lang ansehe, entschloss ich mich, alle Loser, bis auf einen, zu verkaufen, einen Gewinner ebenfalls, weil ich ihn als ausgereizt ansehe, den Top-Gewinner und einen Noch-Loser, dem ich Potenzial zutraue, wollte ich behalten. Für mich war es wieder eine Bestätigung dafür, dass ich die Finger von Einzelaktien lassen soll, abgesehen von unserem eigenen Unternehmen sowie Startups, deren Gründer wir kennen.

Die Entscheidung also: „Sell“. Gesagt, getan. Ich führte alle Orders aus, das Geld wurde sofort auf dem Konto als „verfügbar“ ausgewiesen. Ich übertrug den „verfügbaren“ Betrag auf ein anderes Konto bei derselben Bank und reinvestierte ihn in einen ETF. Erledigt, besser angelegt. Super Performance.

Der Vorgang hatte sich damit für mich erledigt … bis zum Ende der Abrechnungsperiode, als ich auf dem Verrechnungskonto einen Betrag von minus 2,26 Euro sah. Zwei Euro Sechsundzwanzig. Hm, wie kommt das?

Ein Klick auf den Eintrag lieferte eine Erklärung: 13 Komma Soundsoviel Prozent geduldete Überziehungszinsen. Mir schwante etwas. Sollte ich jetzt für 2,26 Euro die Bank bemühen?

Ja.

Zunächst glich ich den Betrag aus, dann mailte ich der Bank meine Frage, wie dies entstehen könne. Die Mailantwort benötigte Tage und besagte, dass man das nur telefonisch erläutern könne, wenn ich mich legitimierte. Ich staunte und rief an.

Jawohl, die Buchung sei korrekt, und jawohl, die Überziehungszinsen stammten aus dem Transfer des „verfügbaren“ Betrags, denn „verfügbar“ meine zwar, dass ich über den Betrag verfügen könne, dieser müsse aber als Kontostand vermerkt werden, wenn er zinsfrei vom Konto entnommen werden konnte. Da die Erträge aus den Verkäufen erst später eingingen – und nicht „sofort“ –, hätte ich das Konto zwar im Verfügungsbereich genutzt, aber eben als geduldeter Überziehungskredit, mit 13 Komma Soundso Prozent Zinsen. Dies gelte auch dann, wenn ich das Geld innerhalb der Bank auf ein anderes Konto transferierte.

Sie ahnen, wie mir diese Antwort gefiel. Richtig: Gar nicht. Kein Hinweis, keine Warnung, nichts dergleichen. Einfach mal abbuchen beim dummen Kunden. Trotz Buchung innerhalb derselben Bank. Unfassbar.

Natürlich habe ich meinem Unwillen Ausdruck verliehen, wissend, dass dies ohne Wirkung bleiben würde. Ja, es ist ein läppischer Betrag, aber um den geht es gar nicht. Es geht um das Prinzip. Die Bank hat mich für Zwei Euro Sechsundzwanzig stark verärgert.

Gehen Sie anders mit Ihren Kunden um. Schaffen Sie transparente Regelwerke. Behalten Sie Augenmaß, seien Sie nicht wie meine Bank. Sehen Sie Ihre Kunden als Wertschöpfungspartner, nicht als mühseligen Verwaltungsfall.

Arbeiten Sie mit Ihren Kunden, für Ihre Kunden, nicht gegen sie.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 746: Das hält noch

Kürzlich, bei uns in der Nähe, auf einer Bundesstraße: Raus aus dem Tunnel, beschleunigen auf 100, plötzlich ein Schild „50 km/h“. Fünfzig? Ok, nicht beschleunigen. Ich frage mich, warum hier jetzt 50 als Maximalgeschwindigkeit gesetzt sind.

Einige Tage später, die gleiche Bundesstraße, in Gegenrichtung: 50, schon deutlich vor dem Tunnel. Ich ahne schon, worum es geht.

Wiederum einige Tage später, wiederum die Gegenrichtung: Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen werden vor dem Tunnel umgeleitet, in die „50er-Zone“ dürfen nur noch PKW. Wir sind mit dem Reisemobil unterwegs und dürfen die extrem lange Umfahrung genießen.

Inzwischen ist es sicher: Die Brücke vor dem Tunnel (oder eben dahinter, je nach Fahrtrichtung) ist marode. Inzwischen merkt man auch eine leichte Fahrbahnabsenkung. Ich fürchte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Abschnitt gesperrt werden könnte. Das würde eine massive Beeinträchtigung des Verkehrs bedeuten, denn Tausende Autos fahren täglich dort her.

Es ist wie so oft in Deutschland: Instandhaltung wird verschoben, „das hält noch“. So lange wird sie verschoben, bis eine umfassende Reparatur, eine Sanierung oder gar ein Neubau erforderlich ist. Brücken, Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Rohrleitungen, öffentliche Gebäude: Überall sieht man diese Missstände.

Die Ursache ist multifaktoriell, aber zurückzuführen ist der Missstand auf die Tatsache, dass Instandhaltung sicher Geld kostet aber kein Prestige, Image, keinen Vorteil für die handelnden Beteiligten bringt. Egal ob Landrat, Oberbürgermeister, Landesminister, Bundesminister, Bundeskanzler: Instandhaltung zahlt nicht auf die Reputation ein, weil man sie nicht sieht. Ein Neubau? Damit kann man sich sehen lassen. Eine kostenaufwendige Reparatur von etwas Bestehendem, deren Resultat man nicht sieht? Ungeliebt, weil unsichtbar.

Die öffentlichen Haushalte haben auf Verschleiß gesetzt. Es fand keine kaufmännische Rechnung statt und das Resultat „ernten“ wir jetzt: Investitionsstau allerorten. Es wurde Geld für den Konsum herausgeworfen, nicht für Investitionen. Das muss sich ändern.

Wir brauchen aber gar nicht bei den öffentlichen Haushalten stehenzubleiben, schauen wir in Unternehmen: Es gilt dasselbe. „Das hält noch“ ist eine verbreitete Einstellung. Zwar wird in Unternehmen wesentlich systematischer investiert als in den öffentlichen Bereichen, aber auch in Unternehmen sieht man – insbesondere als unbefangene Dritte, zu denen nicht nur wir als Berater, sondern zu denen auch Bewerber, Lieferanten, Kunden gehören – häufig Investitionsrückstände. Das beginnt bei alten Maschinen, deren Reparaturen sich schon zu einer wesentlich höheren Summe addieren als ein Kauf einer modernen, leistungsfähigeren Maschine bis hin zu vergilbten Vorhängen, Rissen in den Wänden, ausgelatschten Treppen, abgeblättertem Lack an Treppengeländern.

Instandhaltung, Maintenance, das zukunftsorientierte Sicherstellen der Funktionsfähigkeit, muss eine höhere Aufmerksamkeit erlangen, auch wenn es nicht so „prickelnd“ ist, etwas Älteres zu ertüchtigen und es viel schöner ist, irgendwo anders etwas Neues zu schaffen. Das magische „UND“ des Wachstums gilt auch hier: Das eine UND das andere, so wird ein Schuh daraus.

Wollen Sie in dieser Woche einmal genauer hinsehen? Was müsste „eigentlich mal“ einen Refresh in Ihrem Unternehmen genießen? Übrigens gehört dazu auch eine in die Jahre geratene Strategie!

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 745: Die Nachfolge regeln – Nein, nicht nur Ihre!

Die Anzahl der Beratungsmandate, die wir erhalten, um als unabhängige Dritte in Familienunternehmen bei der Nachfolgeregelung zu unterstützen, steigt. Das mag daran liegen, dass wir „seniorer“ geworden sind, daran, dass ich auch bereits begonnen habe, meine eigene Nachfolge zu regeln – und das bereits vor sieben Jahren –, es mag darauf zurückzuführen sein, dass unsere bestehenden Klienten älter werden und sich über die Jahre das entsprechende Vertrauen aufgebaut hat, es mag daran liegen, dass allgemein händeringend Nachfolger gesucht werden. Jedenfalls stellen wir eine wachsende Anzahl entsprechender Beratungsmandate fest.

Ich habe einiges zum Thema Nachfolge veröffentlicht, ein Buch zum Thema ist in Arbeit, in Vorträgen sage ich etwas als Keynote-Speaker dazu (mein Lieblingstitel lautet „Wegsterben ist keine Option!“), die umfangreichen Erfahrungen lassen uns Muster erkennen, von denen unsere Klienten profitieren.

Familienunternehmer haben folgende Optionen:

  1. Müssen wir, aber ist als Lösung des Nachfolgethemas eine miserable Option.
  2. Abschließen. Ist die zweitschlechteste Option, untauglich, denn es wurde Wert aufgebaut.
  3. Naja … Was ich davon halte, ahnen Sie.
  4. Jawohl, eine tragfähige Option mit Nebenoptionen (intern, extern, teilweise).
  5. Das meist Naheliegende in der Familie, aber bitte ohne Zwang auf beiden Seiten. Sollte realistisch gesehen werden.
  6. Sonderfall: Eine Stiftung gründen. Dies ist in den meisten Fällen, die ich kenne, eine überromantisierte Idee mit unabsehbaren Konsequenzen.

Es kristallisiert sich in der Rechtsprechung der Fall der „Gesellschaft im Verantwortungseigentum“, oder, wie die Rechtsform jetzt wohl heißen soll „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“ (GmbH-gebV) heraus, bei der die Gesellschaft sich selbst gehört, das Vermögen gebunden und die Gesellschaft unverkäuflich ist. Aus meiner Sicht ist dies eine sozialistisch-romantisierte Form eines Wirtschaftsgutes, die ich nicht gutheiße. Ein Unternehmen muss ein bewegliches Wirtschaftselement bleiben und auch Möglichkeiten der Gewinnausschüttung erlauben.

Unsere Klienten beschäftigen sich mit der Art der Nachfolge, mit dem Zeitpunkt, mit ihren Präferenzen und immer kommen wir in der Beratung zu neuen Erkenntnissen. Auch gehört unsere Einschätzung der potenziell zur Verfügung stehenden Familienmitglieder im Hinblick auf die Nachfolge oft zu unserem Mandat. Das ist ein schmaler Grat, aber wir teilen unsere Beobachtungen.

Ein strukturiertes Projekt, bei dem „Recht“ und „Steuern“ ausdrücklich nicht die höchste Priorität haben, sondern der unternehmerische Wille, ist das ideale Vehikel. Wir plädieren immer dafür, dies mit deutlichem Vorlauf vor dem Zeitpunkt „X“ zu starten. Außerdem soll die Nachfolge geregelt werden, wenn es dem Unternehmen gut geht und wenn es dem Unternehmer gut geht. Das ist sehr wichtig und erhöht die Entscheidungsqualität.

Jetzt aber noch ein Punkt: Wie sehr kümmern Sie sich denn um die Nachfolge von internen Schlüsselpositionen? Wir erleben immer wieder Überraschungen der Art „Oh, Frau Meier geht in zwei Jahren spätestens in Rente, da haben wir ein Problem!“ Haben Sie Nachfolgen geplant? Und, noch wichtiger: Sind diese in die Zukunft gerichtet, also darauf, wie der Job, um den es geht, aussehen wird, nicht nur, wie er heute aussieht? Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht mehr? Unserer Erfahrung nach sieht es in vielen Unternehmen diesbezüglich „mau“ aus.

Wenn Sie also schon dabei sind, sich um Ihre Nachfolge zu kümmern, schauen Sie sich auch direkt Ihre Schlüsselmitarbeiter an. Das ist für die internen Nachfolger mindestens ebenso wichtig wie im Falle eines Verkaufs.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle