Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 753: Organisierte Verantwortungslosigkeit

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) vom 1. August 2026 gab es einen Artikel über die Deutsche Bahn und ihre „neue“ Chefin, Evelyn Palla. So neu ist die Chefin ja auch nicht mehr, denn am 1. Oktober 2026 jährt sich ihr Vorstandsvorsitz erstmals.

Zu lesen war in jenem Beitrag, das auf einem Interview fußte, welches Palla der WELT am Sonntag gab:

 „Für die Probleme der Deutschen Bahn macht die Chefin auch eine mangelnde Leistungsbereitschaft im früheren Management verantwortlich. ,Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern‘, sagte sie. ,Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit. Das muss der Vergangenheit angehören.‘“

Mir hat der Begriff der „organisierten Verantwortungslosigkeit“ ausgesprochen gut gefallen. Nicht nur „Verantwortungslosigkeit“ wird durch die Chefin beklagt, nein, „organisierte Verantwortungslosigkeit“, also Verantwortungslosigkeit mit Methode, Plan, Struktur und Organisation. Als jemand, der sich täglich viel mit Worten und Sprache beschäftigt, damit Erklärungen griffig, Konzepte scharf und gut strukturiert sind, mag ich diesen Terminus sehr.

Sollte es sich bei der Bahn wirklich um organisierte Verantwortungslosigkeit gehandelt haben? Ich kann mir das durchaus vorstellen. Der Apparat ist groß genug, dass so viele Genehmigungsverfahren und Prüferfordernisse geschaffen und so viele Gremien eingerichtet werden, dass am Ende keine Entscheidung mehr getroffen werden kann und wenn sie getroffen werden könnte, hat die Zeit schon wieder dafür gesorgt, dass eine neue Sachlage eingetreten ist, so dass die Entscheidung nicht mehr auf belastbaren Fakten ruhen würde, was wiederum zu einer neuen Entscheidungsfindungsrunde führen müsste.

Herrlich. Wobei … im Ergebnis für uns Bahnfahrer natürlich nicht.

Ich kenne aus unserer Beratung von Konzernen ansatzweise vergleichbare Prinzipien und Strukturen und wissen Sie, was? Sie werden immer von denen beklagt, die wirklich etwas leisten und entscheiden wollen und sie entstehen selten intentional oder systematisch. Insofern ist bei der „organisierten Verantwortungslosigkeit“ Vorsatz ehrlicherweise selten gegeben. Es geschieht einfach. Warum? Weil es zugelassen wird.

Und weil Vorbilder fehlen, und damit bin ich bei meinem Kernpunkt für heute, denn weder Sie noch wir sind die Deutsche Bahn, der größte Teil der Leser meines Wochenstarts arbeitet nicht in Großkonzernen. Wir können uns aber nicht herausreden, denn Verantwortungslosigkeit findet immer dann besonders leicht Raum, wenn Vorbilder fehlen. Vorbilder, die Maßnahmen vorantreiben, Entscheidungen treffen und die Umsetzung verantworten. Wenn diese fehlen, ist der Verantwortungslosigkeit Raum gegeben. Umgekehrt: Wenn Verantwortung übernommen wird, wenn Entscheidungsbefugnis delegiert wird, wenn dafür Sorge getragen wird, dass schnell entschieden und schnell gelernt wird, dann entsteht ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

Wie ist das bei Ihnen? Laufen alle Themen über einen Schreibtisch? Über Ihren sogar? Oder haben Sie den Mut, Entscheidungen auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses zu delegieren? Wie schnell wird bei Ihnen entschieden? Schnell genug? Oder wünschen Sie sich manchmal mehr Geschwindigkeit, selbst auf Kosten der Genauigkeit?

In zahlreichen unserer Beratungsmandate behandeln wir genau dieses Thema: Wie können wir die Verantwortungsübernahme für Entscheidungen verbessern und damit zu besserem Wachstum beitragen?

Auf eine gute Woche (und der Bahnchefin viel Erfolg)!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 752: So geht Team

Alle reden von Team. „Wir sind ein großes Team.“ – „Wir sind eine Familie.“ – „Wir halten zusammen.“ Und wenn es dann mal drauf ankommt? Feierabend, große Leere, keiner mehr da. Von wegen „Team“.

Situationen wie die folgende sind echte Prüfsteine für die Frage, ob man ein Team ist oder nicht. Team bedeutet ja, dass jeder auch ein Interesse am Erfolg des anderen hat, Hochleistungsteam bedeutet: „Wenn einer von uns scheitert, scheitern wir alle“.

Doch der Reihe nach:

Wir haben bei Mandat im Jahr 2023 das Format „Mandat-Zukunftsdialoge“ erfunden. Wir treffen uns bei einem Klientenunternehmen oder einem Unternehmen, das uns auf andere Weise nahesteht, an einem Nachmittag, 16 oder 17 Uhr, für vier Stunden und sprechen über die unternehmerische Zukunft, über Wachstum, über Nachfolge, über Unternehmertum. Teilnehmer sind – neben der Unternehmensführung des Gastgebers – acht bis fünfzehn Unternehmer, Geschäftsführer, Vorstände, meist aus dem regionalen Umfeld. Wir wollen sprechen, keine Großveranstaltung. Und wir wollen über Zukunft sprechen, nicht lamentieren, denn sonst hieße das Format ja „Mandat-Lamentogespräche“. Lamentiert wird genug.

Zukunftsdialog Waldemar Behn - Guido Quelle

Bisher waren fast 200 Teilnehmer bei den Zukunftsdialogen und wir waren schon an tollen Orten. So sollte es auch am vergangenen Mittwoch sein. Geplant war, dass Mittwochnachmittag der Mandat-Zukunftsdialog zu Gast bei der Waldemar Behn GmbH in Eckernförde stattfinden sollte, den meisten sind das Produkt ‚Kleiner Feigling‘ und einige der vierzehn anderen Spirituosen- und Likörmarken bekannt; außerdem gehören ein großer Getränkefachgroßhandel und eine österreichische Tochtergesellschaft für Nahrungsmittel zum Familienunternehmen.

Alles war tipptopp vorbereitet, alle freuten sich. Aber: am Dienstagvormittag stand plötzlich alles in Frage.

Linda und Fabian, die für Mandat den Zukunftsdialog leiten wollten, waren derart erkrankt, dass sie nicht reisefähig waren, und der Zukunftsdialog stand auf der Kippe. Als ich es erfuhr, textete ich Linda: „Gib mir eine halbe Stunde“. Guter Rat war teuer. Was wollten wir machen? Absagen? Verschieben? Fünfzehn Enttäuschungen erzeugen? Oder doch machen? Aber wie?

Der Mittwoch sollte mein erster Urlaubstag sein, also stimmte ich mich mit meiner lieben Frau, Susanne, ab, die – wie so oft, eigentlich sollte ich „wie immer“ sagen – einverstanden war, dass ich den Tag investieren würde. Aber allein? Es ist misslich, eine solche Veranstaltung als Einzelner sowohl inhaltlich zu gestalten als auch organisatorisch zu betreuen. Wer könnte mitkommen? Moritz? Abflug in den Urlaub am Mittwochnachmittag. Pascal und Sebastian? Bei Klienten in Konstanz. Kerstin und Dennis? In der Nachbereitung des Internationalen Marken-Kolloquiums. Ana? Abreise in den Urlaub am Mittwoch. Also drehte Anne ihren Mittwoch „auf links“ und sagte zu, mich zu begleiten. Unterstützt wurden wir aus der Ferne von Linda, Ana und Dennis, die uns Vorbereitungsmaterial sandten, denn für uns war es ja „Impro“.

Zusammen fuhren wir nach Eckernförde, hatten einen tollen Zukunftsdialog mit Familie Behn – vielen Dank an Euch, lieber Rüdiger, liebe Lisa und lieber Asmus, Ihr lest hier ja mit – und weiteren Unternehmern und Geschäftsführern aus dem Norden. Einstieg, etwas noch Geheimes, Produktionsbesichtigung, inhaltlicher Impuls, Eingehen auf Fragen, was gesprochen wurde, sollte im Raum verbleiben. Das war klasse. Danach hieß es für Anne und mich, zurück nach Dortmund, wo wir noch vor ein Uhr morgens ankamen. Let’s call it a day.

So geht Team. Nicht quatschen. Machen. Bin sehr happy.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 751: Der wirkungsvollste Punkt

Sie hören und lesen von mir oft, dass es bei der Gestaltung gesunden, profitablen Wachstums, sowohl in der Entwicklung der Strategie als auch in deren Realisierung, darauf ankommt, Zeit einzusetzen, um den wirkungsvollsten Punkt zu erkennen, den größten Engpass zu ermitteln und an diesem zu arbeiten. Der Außenwasserhahn ist aufgedreht, am Ende der Bewässerungsanlage kommt trotzdem nichts heraus. Ich brauche keinen neuen Bewässerungscomputer, keine neue Schlauchanlage, wenn unten im Keller der Haupthahn noch abgedreht ist.

Ein besonders bemerkenswertes Beispiel wurde mir vor einiger Zeit zugetragen und – da müssen Sie jetzt durch –, es stammt aus dem Wohnmobil-Umfeld: Ein Wohnmobilbesitzer berichtete mir, dass sein Automatikgetriebe immer wieder eine Fehlermeldung auslöste – während der Fahrt – und der Motor sich abschaltete – auch während der Fahrt. Das ist, insbesondere auf der Autobahn, über die Maßen unangenehm, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Nach einigen Sekunden Stillstand lief der Motor wieder.

Der Besitzer versuchte, der Sache auf die Spur zu kommen. Diagnose: Fehler im Automatikgetriebe. Kulanz? Ja, aber etwa 8.000 Euro müsse er selbst tragen. Mit zusammengebissenen Zähnen stimmte er zu. Nach dem Einbau eines neuen Getriebes passierte, was? Richtig: Dieselbe Fehlermeldung, dasselbe Theater. Natürlich wollte sich niemand der Tatsache stellen, dass die Ursache offenbar nicht im Getriebe lag.

Ein Techniker des Wohnmobilherstellers brachte eine Erhellung: Das Fahrzeug verfügt über einen mechanisch zu betätigenden Entkopplungsmechanismus zwischen Kardanwelle und Getriebe. Das mag technisch klingen, aber stellen Sie es sich so vor, dass das Auto nicht abgeschleppt werden kann, wenn der Motor nicht läuft, weil es ausgeschaltet im Stand stets in Getriebestellung „P“ geht. Das bedeutet: Die Hinterräder sind und bleiben blockiert. Bei unserem Wohnmobil musste seinerzeit die Kardanwelle vor Ort ausgebaut werden, bevor es an den Schlepper kam.

Nun ist diese mechanische Trennung also eigentlich eine feine Sache. „Aber“: Sie wird über einen ummantelten Seilzug betätigt. Der Monteur des Herstellers erklärte, dass dort Wasser eintreten könne, was zu Rost führt. Sie kennen das vielleicht noch früher von Fahrrädern, bei den Bremsen oder der Schaltung, nicht wahr?

Genau so war es. Es hatte sich Rost gebildet. Dadurch, dass der Zug schwergängig war, wurde bei stärkeren Bodenwellen immer wieder der Mechanismus angesprochen und der verklemmte Zug sorgte dafür, dass dem System eine Entkopplung der Kardanwelle, also der Antriebswelle, vom Getriebe vorgegaukelt wurde. Stand das Auto, war alles wieder in Ordnung.

Drei Sprüher mit der Allzweckwaffe WD40 später war der Fall erledigt.

8.000 Euro versus drei Sprüher mit WD40. Das ist eine wirtschaftlich schmerzliche Erfahrung, einmal ganz abgesehen von der Sorge, wenn das Auto auf der Bahn ausgeht.

Jede Wette: Viele von Ihnen haben vergleichbare Situationen auch schon erlebt, die meisten von Ihnen, das weiß ich, haben solche Fehler im Unternehmen. Es wird am Symptom gearbeitet, ohne die Ursache zu beheben.

Schauen Sie sich um: Wo sind Wachstumsengpässe, welche sind echt, welche nicht und wie sind sie priorisiert? Und dann gehen Sie von Engpass zu Engpass. Sie werden Ihre strategische Umsetzungswirkung drastisch erhöhen.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 750: Meilensteine wahrnehmen

Dies ist mein Wachstums-Wochenstart Nummer 750. 750 Montage. Über 14 Jahre lang, jede Woche. Alles selbstgeschrieben, keine Ghostwriter, keine KI. Die Geschichten? Selbst erlebt. Mitunter werde ich gefragt, woher ich die Geschichten nehme. Nun, ich gehe vor die Tür.

750 Ausgaben haben etwas mit Disziplin zu tun, das ist sicher. 750 Ausgaben haben auch etwas mit Gewohnheit zu tun. Vor allem aber haben 750 Ausgaben etwas mit Freude zu tun, denn wenn ich keine Freude mehr daran habe, stoppe ich dieses Format sofort. Spoiler: Davon ist auf absehbare Zeit nicht auszugehen.

Vor allem ist die „750“ ein Meilenstein, sie ist ja schon eine denkwürdige Zahl. Die ersten 250 haben wir mit einem Buch „gefeiert“. Der Titel: „Wachstumsgedanken“. Es bot sich an, die 500 ebenfalls mit einem Buch zu begehen: „Wachstumsgedanken II“. Was machen wir also, hochkreativ? Richtig: die „Wachstumsgedanken III“ erscheinen verlässlich und sind, wenn Sie dies lesen, entweder gerade eben oder in Kürze am Start. Alle Wochenstarts von 501 bis zu diesem, mit der Nummer 750.

Es ist wichtig, Meilensteine zu sehen. Zu oft werden scheinbar selbstverständliche Erfolge, Schritte, Wegpunkte, Meilensteine, eben, nicht gesehen, als normal oder notwendig abgetan, nächstes Thema. Wie halten Sie dies? Merken Sie Meilensteine? Feiern Sie sie? Würdigen Sie sie auf irgendeine Weise?

Ich habe jahrelang Selbstmanagement gelehrt und dabei auch versucht, meinen Studenten beizubringen, dass sie sich belohnen sollen, wenn sie etwas Besonderes geleistet haben, denn das Gehirn merkt sich sehr wohl, ob man sich belohnt oder nicht. Gerade auch im Geschäftsleben wird viel zu viel übergangen. Die hochgesteckten Vertriebsziele wurden erreicht oder übererfüllt? Das ERP-System früher als gedacht eingeführt? Der neue Mitarbeiter performt viel besser als erwartet? Die neue Produktlinie erhält immens gutes Feedback aus der Zielgruppe? Sie haben persönlich Ihr sportliches Trainings-Zwischenziel erreicht, vorzeitig sogar?

All das sind Meilensteine und viele davon werden nicht gewürdigt. Keine Sorge, ich will Sie nicht zum Dauerfeiern anspornen, irgendwann wollen wir ja auch mal arbeiten, aber eine gewisse Aufmerksamkeit möchte ich Ihnen mit diesem 750. Wachstums-Wochenstart mit auf den Weg geben. Aufmerksamkeit für Erreichtes, für ein Stück des Weges. Ein wenig Freude über das, was zu häufig als selbstverständlich gilt.

Begehen Sie Meilensteine!

Und wenn Ihnen der Wachstums-Wochenstart so gut gefällt, dass Sie meinen, er sollte gebündelt bei Ihnen in der Bibliothek stehen: Die „Wachstumsgedanken III“ sind – wenn alles richtig gelaufen ist – bestellbar – überall dort, wo es Bücher gibt.

Auf eine gute Woche – und auf die nächsten 250!

Ihr und Euer

Guido Quelle

PS: Besonders aufmerksame Leser wissen, dass dies nicht der siebenhundertfünfzigste Wochenstart ist, denn korrekt gezählt ist es der siebenhunderteinundfünfzigste und wenn Sie mir sagen können, warum das so ist, gehören Sie zu diesen besonders aufmerksamen Lesern. Wissen Sie es?