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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 749: Die fahren alle 95 oder 100

Vor bereits einiger Zeit versuchte jemand, mir in einer Social-Media-Gruppe die Dreistigkeit und Liederlichkeit von LKW-Fahrern zu vermitteln. Es gipfelte in dem Satz „Die fahren sowieso alle immer 95 Kilometer pro Stunde oder mehr, meistens auch 100.“

Alle. Immer. 95 oder meistens 100.

So, so.

Ich entgegnete: „Das erlebe ich anders.“

Wie ich das denn wissen könne?

Ich führte aus: Wir sind seit 2009 mit Wohnmobilen, die ein zulässiges Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen haben, auf den Autobahnen, haben über 160.000 Kilometer absolviert und dürfen maximal 100 fahren. Unsere Hunde mögen es gern, wenn der Motor ruhig läuft, nicht unnötig hochdreht und so fahren wir nicht selten – auch im LKW-Überholverbot, wo wir selbst auch nicht überholen dürfen – hinter LKW her. Die meisten fahren maximal echte 85 bis 87, also Tacho etwa 90, viele fahren langsamer. Fast keiner fährt auf gerader Strecke Tacho 100. Das sind echte Ausnahmen.

Ich informierte mein Gegenüber darüber, dass LKW-Fahrer uns – im Gegensatz zu mitunter hektischen PKW-Fahrern – nahezu immer in Lücken hereinließen, dass sie wenn möglich Platz machen, wenn der Beschleunigungsstreifen gelegentlich kurz wird und dass wir öfter von Nicht-LKW in missliche Verkehrssituationen gebracht wurden, als von LKW.

Der Austausch ebbte ab.

Worauf möchte ich heute hinaus? Lassen Sie sich keine Geschichten erzählen. Es gibt Menschen, die unreflektiert Gehörtes nachplappern, und es gibt Menschen, die sich wichtig machen wollen und Geschichten erfinden, einfach irgendwelche Behauptungen aufstellen. Das beschränkt sich mitnichten auf den privaten Kontext, sondern zeigt sich auch im Geschäftlichen.

Nun kann man einwenden, dass ich auf die Eingangsbehauptung gar nicht hätte eingehen müssen. Richtig. Meist halte ich mich auch aus so etwas heraus. Aber ich kann unbelegte Vorurteile und Pauschalverurteilungen nun einmal nicht ausstehen.

Prüfen Sie Behauptungen, die Ihnen komisch vorkommen. Oft hilft der gesunde Menschenverstand. Manches kann man online verifizieren oder eben widerlegen. Im unternehmerischen Kontext sagt Ihnen Ihre Erfahrung, ob etwas stimmen kann oder nicht, aber haben Sie immer einen gewissen Grundzweifel, das kann nicht schaden. Nein, nicht Misstrauen, aber behalten Sie – metaphorisch gesprochen – ein Fragezeichen auf der Stirn: „Stimmt das denn? Kann das stimmen? Ist das plausibel?“

Und dann fragen Sie: „Welche Evidenz haben Sie dafür?“ Fordern Sie Belege. Viele kommen dann ins Schwimmen.

Also: LKW fahren nicht alle immer 95 oder 100 oder noch schneller und die Erde ist auch keine Scheibe.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle