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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 744: Talentfreiheit rechtzeitig erkennen

Wir fahren in der Regel jedes Jahr im Sommer an die Nordsee, immer in dasselbe Hotel, immer in dieselbe Suite, natürlich mit unseren Hunden. Es ist immer ein wenig aufregend, auf die Insel zu kommen, am Fährhafen vier Hunde zu lenken, sich vorher um die umfangreiche Gepäckverladung zu kümmern, den LeoExpress nebst leerem Gepäckanhänger zum Parkplatz zu bringen, um dann nach der Fährfahrt wieder mit vier Hunden von der Fähre ins Hotel zu laufen, aber irgendwann hat man Routine und mitunter haben wir auch auf der Insel Hilfe im Trubel, so dass wir deutlich vor unserem Gepäck im Hotel sind.

Doch das ist für den heutigen Wochenstart eigentlich viel zu ausführlich, es sollte nur die Gewohnheit illustrieren. Eines Nachmittags in diesem Jahr hörte ich auf der Terrasse, wie Kinder ein, zwei Häuser weiter das Blockflötenspiel übten und ich dachte „Och, nee, nicht wieder“, denn jedes Jahr üben die Kinder dort das Flötenspiel. Draußen. Und es ist einfach nicht schön. Es war früher nicht schön und ich war überzeugt davon, dass es in diesem Jahr wieder nicht schön ist. Also sagte ich zu meiner Frau: „Man muss den Kindern doch mal irgendwann sagen, dass sie kein Talent haben, nach all den Jahren.“

Meine Frau, wesentlich gelassener als ich, fand, dass das Flötenspiel der Kinder sich sehr wohl verbessert habe und teilte mir dies mit, nicht ohne die Empfehlung, genauer hinzuhören. Nun bin ich gewohnt, auf den klugen Rat meiner lieben Frau zu hören und folgte, mit leichtem Missmut. Und: In der Tat, wenn man genauer hinhörte, klang das Duo inzwischen schon recht gut. Es handelte sich bei dem geübten Stück offenbar um ein Kirchenlied. Als eines der Kinder dann noch fehlerfrei unsere Nationalhymne flötete, wussten wir, dass das für uns eine Premiere war: Die Nationalhymne auf der Blockflöte? Das hatten wir noch nie.

Was bedeutete das für mich? Zurückrudern, zumindest ein wenig. Die Talentfreiheit nahm ich zurück, jaja, Übung macht den Meister, natürlich, ja doch. Jedenfalls hatte ich zwei Themen für einen Wochenstart, nämlich diese beiden:

  1. Erkennen Sie Talentfreiheit früh. Wenn Sie einen Mitarbeiter für eine bestimmte Aufgabe einstellen und er bestimmte Resultate erzielen soll, dann wird zu Beginn eine Phase des Übens erforderlich sein. Diese darf aber nicht zur Arbeitsroutine werden, dann zum Üben allein werden Mitarbeiter in der Regel nicht eingestellt. Sorgen Sie also dafür, dass klare Meilensteine im Fortschritt vereinbart werden und ziehen Sie die Reißleine, wenn es nicht klappt. Das Prinzip „Hoffnung“ funktioniert nicht.
  2. Überprüfen Sie Ihre „Voreinstellungen“. Wenn Sie, wie ich in diesem Fall, mit einem „Ach, herrje, die schon wieder, das kann ja nichts werden“ in eine Situation gehen, verfälscht es Ihre Wahrnehmung. Ich hatte nicht bemerkt, dass sich das Spiel, das im vergangenen Jahr wirklich noch weit entfernt von „schön“ war, deutlich verbessert hatte, weil ich voreingenommen in die Situation ging. Bleiben Sie offen, wenn Sie die eine oder andere Enttäuschung erlebt haben, vielleicht ist der Durchbruch – im positivsten Sinne – schon erfolgt.

Beides hat etwas mit Führung zu tun: Es gilt, Leistungsträger zu fördern und Nicht-Leistungsträgern andere Möglichkeiten zu eröffnen, die auch außerhalb des Unternehmens liegen können und es gilt, offen zu bleiben, idealerweise vorurteilsarm – von „vorurteilsfrei“ will ich noch gar nicht reden.

Wenn wir wachsen wollen, brauchen wir volle Leistung im Unternehmen und diejenigen, welche die Leistung erbringen sollen, brauchen reelle Chancen. Mancher braucht länger, um richtig wirksam zu werden, manch anderer schafft es schneller. Im Übrigen ist meine persönliche Geduld bei Hochschulabsolventen oder fertigen Azubis wesentlich größer als bei Profis.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

Mandat Wachstums-Wochenstart® Nr. 458: Sherpas

Mandat Wachstums-Wochenstar® Nr. 458: Sherpas

Am 16. Januar 2021 um 17 Uhr Ortszeit standen zehn Bergsteiger zum ersten Mal auf dem mit 8.611 m hohen K2, dem zweithöchsten Berg der Welt. Erstmals im Winter war es einem Team gelungen, auf den Gipfel zu kommen. Einer der Führer schaffte dies sogar ohne Zusatzsauerstoff. Der schwierigste 8.000er, an der Grenze zwischen Pakistan und China gelegen, war erstmals im Winter bezwungen. Dazu muss man wissen, dass es ohnehin erst 300 Menschen gelungen ist, den Gipfel des K2 überhaupt zu besteigen. Der K2 war der letzte der 8.000er, dessen Gipfel noch nicht im Winter erreicht wurde.

Es war mitnichten eine „gekaufte“ Expedition, es war kein sogenanntes Team um wohlhabende Risikofreudige, die von Dutzenden Sherpas den Berg quasi hochgetragen wurden. Nein, es waren die Sherpas selbst. Diese zehn Menschen haben sich – wie Nirmal Purja Maga (aka „Nimsdai“) auf dem Portal „bergsteigen.com“ zitiert wird – vorgenommen, „… das Unmögliche möglich zu machen“.

Nimsdai fuhr fort (ebenfalls aus „bergsteigen.com“): „… wir fühlen uns geehrt, diesen Moment nicht nur mit der nepalesischen Bergsteigergemeinde, sondern mit Gemeinden auf der ganzen Welt zu teilen. Mutter Natur hat immer Größeres zu sagen und auf dem Gipfel stehend, Zeuge der schieren Kraft ihrer Extremitäten, sind wir stolz darauf, ein Teil der Geschichte der Menschheit gewesen zu sein und zu zeigen, dass Zusammenarbeit, Teamwork und eine positive mentale Einstellung die Grenzen dessen, was wir für möglich halten, verschieben können.“

Die oft unterschätzten und namentlich selten bekannten Sherpas, die – meist – Männer, die im Hintergrund arbeiten, die den Stars den Weg ebnen, die die Arbeitslast auf sich nehmen und damit ihren Beitrag dazu leisten, dass die gesamte Expedition gelingt, sie haben den Erfolg geschafft, ihnen ist die Erstbesteigung gelungen.

Gänsehaut.

Auch in der Politik gibt es die „Sherpas“. Es sind die Menschen, die genau das tun, was die Sherpas im Himalaya und Karakorum tun: Sie bereiten alles vor, damit die im Rampenlicht stehenden Politikerinnen und Politiker freie Bahn haben. Die Roadcrews im Rock- und Pop-Business könnten wir auch als Sherpas bezeichnen. Man stelle sich vor, Mick Jagger müsste eine Box aufstellen. Er verhöbe sich vermutlich …

Zurück zu Wachstum: Wenn wir uns in Unternehmen umschauen, dann sehen wir mit zunehmender Unternehmensgröße viele „Sherpas“, viele Männer und Frauen, die dafür sorgen, dass der Laden läuft und die Führung ihren Job bestmöglich machen kann, zum Erfolg aller. Wir sehen aber auch – und da möchte ich den Begriff ein wenig biegen – „Sherpas“ in Form von Leistungsträgern, die viel mehr könnten, als sie zeigen, die das Kerngeschäft sehr wohl beherrschen würden, vielleicht sogar viel besser beherrschen, als manch anderer und die einfach nicht gefordert werden, die sich vielleicht auch gar nicht ins Rampenlicht trauen, obwohl sie es tun würden, bäte man sie.

Wer wird bei Ihnen unterfordert? Wer kann mehr, traut sich aber nicht, es zu sagen, wer würde, im Team oder alleine, Spitzenleistungen erbringen, wenn Sie den Raum schüfen? Wer würde zu denen gehören, die Ihren unternehmerischen „K2“ im Winter erfolgreich besteigen?

Wir haben bei Mandat und bei Klientenunternehmen exzellente Erfahrungen damit gemacht, Menschen gezielt zu fordern und zu fördern. Zutrauen und Gelegenheit sind dabei wichtige Faktoren. So werden aus Sherpas Stars – wenn Sie und sie es wollen.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

 

 


In der letzten Woche haben wir gefragt: „ „Standards“: Ich wünsche mir in unserem Unternehmen…“

Ihre Antwort:

  • mehr Standards, das Rad wird immer wieder neu erfunden.  – 63 %
  • weniger Standards, wir engen uns zu sehr ein. – 0 %
  • keine Veränderung, denn wir haben eine gute Balance aus Standards und Sonderlösungen.   – 37 %

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© 2021, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.
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