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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 746: Das hält noch

Kürzlich, bei uns in der Nähe, auf einer Bundesstraße: Raus aus dem Tunnel, beschleunigen auf 100, plötzlich ein Schild „50 km/h“. Fünfzig? Ok, nicht beschleunigen. Ich frage mich, warum hier jetzt 50 als Maximalgeschwindigkeit gesetzt sind.

Einige Tage später, die gleiche Bundesstraße, in Gegenrichtung: 50, schon deutlich vor dem Tunnel. Ich ahne schon, worum es geht.

Wiederum einige Tage später, wiederum die Gegenrichtung: Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen werden vor dem Tunnel umgeleitet, in die „50er-Zone“ dürfen nur noch PKW. Wir sind mit dem Reisemobil unterwegs und dürfen die extrem lange Umfahrung genießen.

Inzwischen ist es sicher: Die Brücke vor dem Tunnel (oder eben dahinter, je nach Fahrtrichtung) ist marode. Inzwischen merkt man auch eine leichte Fahrbahnabsenkung. Ich fürchte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Abschnitt gesperrt werden könnte. Das würde eine massive Beeinträchtigung des Verkehrs bedeuten, denn Tausende Autos fahren täglich dort her.

Es ist wie so oft in Deutschland: Instandhaltung wird verschoben, „das hält noch“. So lange wird sie verschoben, bis eine umfassende Reparatur, eine Sanierung oder gar ein Neubau erforderlich ist. Brücken, Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Rohrleitungen, öffentliche Gebäude: Überall sieht man diese Missstände.

Die Ursache ist multifaktoriell, aber zurückzuführen ist der Missstand auf die Tatsache, dass Instandhaltung sicher Geld kostet aber kein Prestige, Image, keinen Vorteil für die handelnden Beteiligten bringt. Egal ob Landrat, Oberbürgermeister, Landesminister, Bundesminister, Bundeskanzler: Instandhaltung zahlt nicht auf die Reputation ein, weil man sie nicht sieht. Ein Neubau? Damit kann man sich sehen lassen. Eine kostenaufwendige Reparatur von etwas Bestehendem, deren Resultat man nicht sieht? Ungeliebt, weil unsichtbar.

Die öffentlichen Haushalte haben auf Verschleiß gesetzt. Es fand keine kaufmännische Rechnung statt und das Resultat „ernten“ wir jetzt: Investitionsstau allerorten. Es wurde Geld für den Konsum herausgeworfen, nicht für Investitionen. Das muss sich ändern.

Wir brauchen aber gar nicht bei den öffentlichen Haushalten stehenzubleiben, schauen wir in Unternehmen: Es gilt dasselbe. „Das hält noch“ ist eine verbreitete Einstellung. Zwar wird in Unternehmen wesentlich systematischer investiert als in den öffentlichen Bereichen, aber auch in Unternehmen sieht man – insbesondere als unbefangene Dritte, zu denen nicht nur wir als Berater, sondern zu denen auch Bewerber, Lieferanten, Kunden gehören – häufig Investitionsrückstände. Das beginnt bei alten Maschinen, deren Reparaturen sich schon zu einer wesentlich höheren Summe addieren als ein Kauf einer modernen, leistungsfähigeren Maschine bis hin zu vergilbten Vorhängen, Rissen in den Wänden, ausgelatschten Treppen, abgeblättertem Lack an Treppengeländern.

Instandhaltung, Maintenance, das zukunftsorientierte Sicherstellen der Funktionsfähigkeit, muss eine höhere Aufmerksamkeit erlangen, auch wenn es nicht so „prickelnd“ ist, etwas Älteres zu ertüchtigen und es viel schöner ist, irgendwo anders etwas Neues zu schaffen. Das magische „UND“ des Wachstums gilt auch hier: Das eine UND das andere, so wird ein Schuh daraus.

Wollen Sie in dieser Woche einmal genauer hinsehen? Was müsste „eigentlich mal“ einen Refresh in Ihrem Unternehmen genießen? Übrigens gehört dazu auch eine in die Jahre geratene Strategie!

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle