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Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 435: Homeoffice? #WFH? Ja, aber…

Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 435: Homeoffice? #WFH? Ja, aber…

Bereits vor der Corona-Pandemie haben zahlreiche, meist größere, Unternehmen darüber gesprochen, dass sie Homeoffice-Arbeit forcieren wollen und sich dabei als modern dargestellt. In Wirklichkeit war es – meiner festen Überzeugung zufolge – hinreichend oft ein Vorwand für Kostenersparnis, denn weniger Leute im Büro benötigen weniger Büroraum und selbst bei Wachstum gilt: Gleiche Bürofläche, mehr Mitarbeiter. Gleiches gilt für das unsägliche Prozedere, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich morgens erst einmal im Büro ihren Rollboy schnappen und dann auf die Suche nach einem freien Arbeitsplatz gehen. Modern? Sicher, aber nicht hilfreich für Mitarbeiterbindung.

Das Homeoffice, inzwischen ja schon als Hashtag #wfh (working from home), als Allheilmittel zu deklarieren ist nicht passend. Natürlich haben wir im Zuge der physischen Distanzierung während der immer noch währenden Corona-Pandemie viele Vorteile des Homeoffices kennengelernt. Natürlich hat die Digitalisierung (wenn wir zunehmenden Einsatz von Computern, die es schon vorher gab, mit Hilfsmitteln, die es auch schon vorher gab einmal als „Digitalisierung“ bezeichnen wollen – wir bei Mandat verstehen doch schon ein wenig mehr darunter) einen Vorschub erfahren. Aber das Homeoffice als „die“ Art und Weise der Zukunft der Arbeit? Nein.

Völlig durcheinander gerät der Kompass, wenn Teile der Bundesregierung – und nicht nur diese – nun ein Recht auf Homeoffice gesetzlich festlegen wollen. Das ist ein fundamentaler Eingriff in die unternehmerische Freiheit der Festlegung der Art und Weise der Leistungserstellung. Es folgt dem Bild, dass Arbeit etwas Böses ist, dass man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Arbeit fernhalten müsse, damit sie sich nicht so stark damit belasten. Es folgt dem Bild, dass Unternehmerinnen und Unternehmer böse sind und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbeuten, zwingen zur Arbeit zu kommen.

Vielleicht kommen Menschen ja sogar gerne zur Arbeit? Vielleicht freuen sich Menschen, ihre Kollegen zu treffen? Vielleicht ist das soziale Miteinander am Arbeitsplatz sogar ein wesentlicher Teil für Zufriedenheit? Nachdenkenswert.

Das Homeoffice hat natürlich seinen Platz, aber man muss es als eine Variante der Arbeitserbringung einordnen. Wir bei Mandat haben ein klares Verständnis darüber, wie wir es als Produktivitätshilfe nutzen können. Die Geschäftsführung hat freie Hand in der Arbeitsplatzwahl, alle Berater sind mobil voll ausgerüstet, sollen sich aber mit den jeweiligen Vorgesetzten abstimmen, wenn sie im Homeoffice arbeiten wollen und im Assistenzbereich gilt Homeoffice als abstimmungsbedürftige Ausnahme. Wir haben in der scharfen Phase des Corona-Lockdowns alle sehr viel aus dem Homeoffice gearbeitet und irgendwann wieder Schritt für Schritt auf persönliche Begegnungen umgestellt. Das beginnt im Mandat-Team und inzwischen findet auch das eine oder andere Meeting mit Klienten wieder persönlich statt.

Wer ausschließlich oder mehrheitlich auf das Homeoffice setzt, vergibt sich über die Jahre hinweg Chancen, intern echte Beziehungen aufzubauen, emotionalen Klebstoff herzustellen, die Marke durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die füreinander einstehen, zu stärken. Es ist ein schleichender Prozess: Wenn sich alle kennen, scheint noch vieles zu funktionieren. Kommen neue Kolleginnen und Kollegen hinzu, wird die emotionale Distanz größer. In der Endausbaustufe (alle im Homeoffice) ist man als Unternehmen austauschbar.

Mir wurde in diesem Zusammenhang schon entgegnet, dass #wfh doch super funktioniere. Tut es auch. Aber nicht dauerhaft und nicht auf der wachstumsrelevanten Langzeitachse.

Es ist wie immer: Eine Alternative – und mehr ist das Homeoffice nicht – ist gut, wenn sie einem Ziel dient und sie in Maßen eingesetzt wird. Dauerhaftes Homeoffice als Lösung für alle Arbeitssituationen? Keine gute Idee für Wachstum.

PS: Übrigens, über gute, individuelle Möglichkeiten den emotionalen Klebstoff trotz eines hohen Anteils Homeoffice-Tätigkeiten zu schaffen, wird Anna Yona, Geschäftsführerin der Wildling Shoes GmbH auf dem diesjährigen Internationalen Marken-Kolloquium berichten.

Auf eine gute Woche!

Ihr und Euer

Guido Quelle

 


Die Frage der Woche:

„Wie sind Sie in Sachen Homeoffice ein- und aufgestellt?“

Um an der Umfrage teilzunehmen klicken Sie einfach auf: Wachstumsfrage der Woche

 

In der letzten Woche haben wir gefragt: “ Welchen Begriff wird es ihrer Auffassung nach nicht mehr geben?“

Die meistegenannten Anworten:

  • Registrierkasse
  • Auto
  • Tankstelle
  • Work-Life-Balance

Balance


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© 2020, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH, Dortmund, London, New York.
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