Mandat Wachstums-Wochenstart Nr. 751: Der wirkungsvollste Punkt
Sie hören und lesen von mir oft, dass es bei der Gestaltung gesunden, profitablen Wachstums, sowohl in der Entwicklung der Strategie als auch in deren Realisierung, darauf ankommt, Zeit einzusetzen, um den wirkungsvollsten Punkt zu erkennen, den größten Engpass zu ermitteln und an diesem zu arbeiten. Der Außenwasserhahn ist aufgedreht, am Ende der Bewässerungsanlage kommt trotzdem nichts heraus. Ich brauche keinen neuen Bewässerungscomputer, keine neue Schlauchanlage, wenn unten im Keller der Haupthahn noch abgedreht ist.
Ein besonders bemerkenswertes Beispiel wurde mir vor einiger Zeit zugetragen und – da müssen Sie jetzt durch –, es stammt aus dem Wohnmobil-Umfeld: Ein Wohnmobilbesitzer berichtete mir, dass sein Automatikgetriebe immer wieder eine Fehlermeldung auslöste – während der Fahrt – und der Motor sich abschaltete – auch während der Fahrt. Das ist, insbesondere auf der Autobahn, über die Maßen unangenehm, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Nach einigen Sekunden Stillstand lief der Motor wieder.
Der Besitzer versuchte, der Sache auf die Spur zu kommen. Diagnose: Fehler im Automatikgetriebe. Kulanz? Ja, aber etwa 8.000 Euro müsse er selbst tragen. Mit zusammengebissenen Zähnen stimmte er zu. Nach dem Einbau eines neuen Getriebes passierte, was? Richtig: Dieselbe Fehlermeldung, dasselbe Theater. Natürlich wollte sich niemand der Tatsache stellen, dass die Ursache offenbar nicht im Getriebe lag.
Ein Techniker des Wohnmobilherstellers brachte eine Erhellung: Das Fahrzeug verfügt über einen mechanisch zu betätigenden Entkopplungsmechanismus zwischen Kardanwelle und Getriebe. Das mag technisch klingen, aber stellen Sie es sich so vor, dass das Auto nicht abgeschleppt werden kann, wenn der Motor nicht läuft, weil es ausgeschaltet im Stand stets in Getriebestellung „P“ geht. Das bedeutet: Die Hinterräder sind und bleiben blockiert. Bei unserem Wohnmobil musste seinerzeit die Kardanwelle vor Ort ausgebaut werden, bevor es an den Schlepper kam.
Nun ist diese mechanische Trennung also eigentlich eine feine Sache. „Aber“: Sie wird über einen ummantelten Seilzug betätigt. Der Monteur des Herstellers erklärte, dass dort Wasser eintreten könne, was zu Rost führt. Sie kennen das vielleicht noch früher von Fahrrädern, bei den Bremsen oder der Schaltung, nicht wahr?
Genau so war es. Es hatte sich Rost gebildet. Dadurch, dass der Zug schwergängig war, wurde bei stärkeren Bodenwellen immer wieder der Mechanismus angesprochen und der verklemmte Zug sorgte dafür, dass dem System eine Entkopplung der Kardanwelle, also der Antriebswelle, vom Getriebe vorgegaukelt wurde. Stand das Auto, war alles wieder in Ordnung.
Drei Sprüher mit der Allzweckwaffe WD40 später war der Fall erledigt.
8.000 Euro versus drei Sprüher mit WD40. Das ist eine wirtschaftlich schmerzliche Erfahrung, einmal ganz abgesehen von der Sorge, wenn das Auto auf der Bahn ausgeht.
Jede Wette: Viele von Ihnen haben vergleichbare Situationen auch schon erlebt, die meisten von Ihnen, das weiß ich, haben solche Fehler im Unternehmen. Es wird am Symptom gearbeitet, ohne die Ursache zu beheben.
Schauen Sie sich um: Wo sind Wachstumsengpässe, welche sind echt, welche nicht und wie sind sie priorisiert? Und dann gehen Sie von Engpass zu Engpass. Sie werden Ihre strategische Umsetzungswirkung drastisch erhöhen.
Auf eine gute Woche!
Ihr und Euer
Guido Quelle




